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Montag, 20. Juli 2026

"Ausdrucksmalen" als neue Erfahrung und eine weitere Möglichkeit von Selbsthilfe

Wir hatten letzten Samstag zu einem Workshop eingeladen, die Methode des Ausdrucksmalens innerhalb einer zweistündigen Gruppensession selbst zu erleben. Weiterlesen hier

Ausdrucksmalen ist ein kreativer und kunsttherapeutischer Ansatz, bei dem der schöpferische Prozess im Mittelpunkt steht. Es geht nicht um künstlerisches Können oder das fertige Bild als „gelungenes“ Ergebnis, sondern darum, sich auf Farben, Formen und eigene Impulse einzulassen.

© Gabriele Max

Unter einfühlsamer Anleitung von Kunsttherapeutin Gabriele Max vom PTV Sachsen e.V.* orientierten wir uns am Point Zero Painting** der französisch-amerikanischen Künstlerin Michele Cassou. Weiterlesen hier


© Gabriele Max nach Michele Cassou

Zu Beginn wurden uns Cassous drei „Drachen“: BedeutungErgebnis und Kontrolle
vorgestellt. Sie stehen für innere Muster, die uns häufig auch im Alltag davon abhalten, frei und spielerisch zu handeln, zu gestalten und uns lebendig zu fühlen: Üblicherweise haben wir gelernt, vor allem uns selbst zu bewerten, etwas Bestimmtes erreichen oder alles unter Kontrolle behalten zu wollen.

Verwandt ist dieser Gedanke mit dem „Malort“ des deutsch-französischen Pädagogen und Forschers Arno Stern (1924-2024), der aus seiner Arbeit mit Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Weiterlesen hier 

Beide Ansätze begründen einen geschützten achtsamen Raum, in dem Bewertung, Konkurrenz sowie Leistungsdruck zurücktreten und Kreativität ihren eigenen Weg finden darf. Es gibt keinen richtigen oder falschen "Ausdruck". Jede und jeder entdeckt auf individuelle Weise, was beim Malen entsteht.


Wie unterschiedlich diese Entdeckungsreise erlebt wurde, zeigte sich im gemeinsamen Tun und im anschließenden Austausch über das Entstehen der "Ausdrucksbilder". Manche TeilnehmerInnen erzählten, dass sie sich sofort auf den Prozess einlassen konnten, auch dank der behutsamen Hinführung durch die Workshopleiterin. Andere begegneten schnell eigenen Erwartungen, Ansprüchen oder Unsicherheiten und waren entweder davon überrascht oder durch andere Kunsttherapien bereits mit diesen Reaktionsmustern vertraut.

Gerade die Möglichkeiten des gemeinsamen Ausprobierens machte jedoch in dieser kurzen Zeit spür- & sichtbar, wie anregend, vielfältig und neuartig es sein kann, diesen Weg fortzuführen.

© Gabriele Max


Welche Möglichkeiten gibt es für uns, solche Erfahrungen über die Selbsthilfe hinaus weiterzuführen?

Kreative und kunsttherapeutische Methoden können unter bestimmten Voraussetzungen auch Bestandteil einer ergotherapeutischen Behandlung sein. Ausdrucksmalen selbst ist keine eigenständige Kassenleistung. 

Wenn eine Kunsttherapeutin zugleich Ergotherapeutin ist und in einer zugelassenen Ergotherapiepraxis arbeitet, können kreative und gestalterische Verfahren jedoch Teil einer ärztlich verordneten Ergotherapie sein, abhängig von der Diagnose, der ärztlichen Verordnung und dem therapeutischen Konzept. 

Seit 2024 gibt es zudem für bestimmte Diagnosegruppen die Möglichkeit einer sogenannten Blankoverordnung. Dabei kann die Ergotherapeutin innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst über Art, Umfang und Frequenz der Behandlung entscheiden.

Gerade aufgrund früher Trennungs- und Verlusterfahrungen oder aber auch rigider, ideologisierter Kunstpädagogik, wie sie in Kindereinrichtungen & Schulen der DDR häufig vermittelt wurde, kann ein solcher geschützter kreativer Raum eine besondere Bedeutung haben. 

Bei Traumafolgestörungen, Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen kann (wenn eine entsprechende Diagnose vorliegt) eine Ergotherapieverordnung möglich sein. Ob dies im individuellen Fall infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt; bei psychischen Erkrankungen gegebenenfalls auch eine Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut oder eine Neurologin bzw. ein Neurologe. 

Bei Interesse und Rückfragen empfehlen wir, sich ans Zentrum für Ergo- & Arbeitstherapie Dresden des PTVs zu wenden, weiterlesen hier 

Herzliche Einladung in unsere Kreativgruppe "WG 6"


Für uns TeilnehmerInnen bot dieser Nachmittag eine Kostprobe intuitiver Maltherapie und gleichsam die Gelegenheit, andere Weisen der Selbstfürsorge und Selbsthilfe kennenzulernen. 

Gerade für ehemalige Wochenkinder, die früh lernen mussten, sich anzupassen und Erwartungen zu erfüllen, kann eine regelmäßige kreative Praxis in verschiedener Hinsicht wohltuend und nachhaltig sein. Sie eröffnet die Möglichkeit, sichere Räume und gestalterische Situationen zu erkunden, in denen sinnliche Wahrnehmung, freies Experimentieren, Vertrauen und das künstlerische Potenzial sich „nachentfalten“ können.

Neben den genannten ergo- und kunsttherapeutischen Angeboten auf ärztliche Verordnung sowie Bezahlkursen, beispielsweise an der Volkshochschule, gibt es seit 2024 innerhalb unserer Dresdner Selbsthilfegruppe auch eine kostenfreie Alternative. Einmal im Monat treffen sich Wokis aus Dresden, Chemnitz & Leipzig, um gemeinsam kreativ zu werden und Erfahrungen auszutauschen. Neue Interessierte sind jederzeit willkommen, weiterlesen hier

________________
* Psychosozialer Trägerverein Sachsen e.V., weiterlesen hier 
** Das Buch von Michele Cassou in der deutschen Übersetzung: "Point Zero - entfesselte Kreativität" haben wir inzwischen für unsere Dresdner Woki-Bibliothek (Link) erworben.

Dienstag, 30. Juni 2026

Unsere Regeln für unsere SHG-Treffen

Folgende Absprachen sind für unsere Präsenztreffen verbindlich:

  1. Bitte sei pünktlich! Zwei Stunden sind kurz, und wir wollen die Zeit gut nutzen.
  2. Absagen bitte sofort per E-Mail, falls du verhindert bist. Meist gibt es eine Warteliste.
  3. Wenn du ansteckend krank bist, bleib bitte zu Hause.
  4. Bitte stelle Dein Handy lautlos oder aus, bevor wir starten.
  5. Wir lassen einander ausreden. JedeR bringt eigene Erfahrungen mit.
  6. JedeR spricht von sich selbst. Ungefragte Ratschläge vermeiden wir.
  7. Wir achten auf ausgewogene Redezeiten, damit alle gehört werden können.
  8. Die Moderation kann ggf. mit Klangschale oder Zeichen begrenzen (z. B. auf 3 Minuten bei der Vorstellungsrunde).
  9. Alles, was besprochen wird, bleibt im Raum. Wir behandeln Inhalte vertraulich.
  10. Wir leisten keine Therapie.
  11. Störungen haben Vorrang, z.B. Fenster, Pausen o. Ä.


Technisches:

Unsere Einladungen über dresden@wochenkinder.de werden grundsätzlich im bcc-Verfahren versendet (Datenschutz). Ein Weiterleiten unserer E-Mails an Dritte ist nur nach persönlicher Rücksprache mit dem Absender erlaubt.





"Qigong im Freien" - Selbsthilfe-Impulse zur Vertiefung

als Handreichung zu unserem diesjährigen Qigong-Sommerangebot, weiterlesen hier

"Wurzeln finden, Spielräume entdecken & Sanftheit genießen"


Diese drei Erlebnisimpulse aus dem Qigong laden Dich ein, liebes ehemaliges Wochenkind, den eigenen Körper wieder als Erfahrungsraum zu entdecken, jenseits von „Leistung“, Bewertung oder Erwartungsdruck. Sie lassen sich auch als zusammenhängender Weg verstehen: Wurzeln finden Spielräume entdecken Sanftheit genießen.


Dieser Weg ist eigentlich sehr einfach und empfiehlt sich deshalb zur Weiterführung in Deinem Alltag:


Qigong kann Dich dabei unterstützen:

  • wieder Kontakt zum eigenen Körper aufzunehmen
  • Spannungs- und Ruhezustände bewusster wahrzunehmen
  • Beweglichkeit im Alltag (körperlich und innerlich) zu fördern


Die folgenden Impulse dienen als erste Inspiration und Vertiefung für die nächsten Wochen.


1. Wurzeln finden (Kostprobe am Mittwoch: 08. Juli: 17.00-18.00 Uhr)


Themen: Stabilität, Kontakt, Vertrauen


Erleben von Stand, Erdung und innerer Aufrichtung. Die Aufmerksamkeit liegt auf dem Kontakt zum Boden, der eigenen Stabilität und dem Gefühl des Getragenseins.


Selbsthilfe-Impulse für den Alltag

  • Mehrmals täglich kurz innehalten:  Das Gewicht bewusst in die Füße sinken lassen
  • Beim langsamen oder zügigen Gehen: Die Fußsohlen, den Bodenkontakt und Gewichtsverlagerungen wahrnehmen
  • In belastenden Situationen: Die Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem und in den Körper lenken
  • Sich innerlich fragen: „Was trägt mich gerade?“

Wichtig! Stabilität entsteht oft nicht durch Anspannung, sondern durch spürendes, dosiertes Loslassen.


2. Spielräume entdecken (Kostprobe am Mittwoch: 15. Juli: 10.00-11.00 Uhr)


Themen: Beweglichkeit, Möglichkeiten, innere Freiheit


Erkundung von Bewegungsspielräumen: Richtungswechsel, Gewichtsverlagerungen, Variationen im Stand und in der Bewegung.


Selbsthilfe-Impulse für den Alltag

  • Alltagsbewegungen bewusst und spielerisch verlangsamen (Aufstehen, Gehen, Drehen)
  • Kleine Variationen ausprobieren: andere Wege gehen, anders sitzen, stehen oder liegen
  • Kurz innehalten und spüren: „Welche andere Möglichkeit hätte ich gerade?“
  • Körperliche Spannungen freundlich wahrnehmen, ohne sie sofort „lösen“ zu müssen

Wichtig! Spielräume ergeben sich von selbst, wo kein unmittelbarer Druck zur Veränderung besteht.


3. Sanftheit genießen (Kostprobe am Mittwoch: 26. August 2026: 17.00-18.00 Uhr)


Themen: Weichheit, Nachgeben, Regeneration


Verlangsamung der Bewegung, Reduktion von Kraft, Hinwendung zu Weichheit und innerer Ruhe.


Selbsthilfe-Impulse für den Alltag

  • Situationen bewusst langsamer beginnen (kein sofortiges Reagieren)
  • In Pausen den Körper bewusst „fallen lassen“ statt aktiv zu entspannen
  • Sanfte und langsame Bewegung bevorzugen (Spazieren, Dehnen, ruhiges Atmen)
  • Sich liebevoll erlauben, nichts leisten zu müssen

Wichtig! Langsamkeit & Sanftheit sind keine "Schwäche", sondern Formen der bewussten Zuwendung, Regulation und Selbstfürsorge.


Qigong als "Präventionskurs" 


Qigong ist als anerkannte Methode zur Stressreduktion und Gesundheitsförderung im Rahmen von Präventionskursen nach §20 SGB V in vielen Fällen förderfähig.


Wenn Du also Qigong oder andere Entspannungsverfahren (z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga, MBSR) gemeinsam in einer Gruppe erlernen und in Deinen Alltag integrieren möchtest, kannst Du jederzeit bei den gesetzlichen Krankenkasse einen entsprechend zertifizierten, regelmäßigen Präventionskurs erfragen und buchen. 


Für weitere Fragen stehe ich Dir gern zur Verfügung, 

Cornelia, 👉 dresden@wochenkinder.de


Sonntag, 28. Juni 2026

Einladung zu Selbsthilfe-Workshop "Ausdrucksmalen", 18.07.26 in Dresden

„Wer bin ich heute? - Wer öffnet mir die Tür, wenn ich bei mir selbst anklopfe?“

Liebe Wokis,

wir laden Euch herzlich zu einem besonderen Sommer-SHG-Treffen des "Ausdrucksmalens" ein.


Wann: Sa, 18.07.2026, 15:00-17:00 Uhr, Treffzeit 14:45 Uhr. Wir bitten um pünktliches Erscheinen!

Wo: in Dresden-Blasewitz, Nähe "Programmkino Ost", genaue Anschrift wird nach Anmeldung bekanntgegeben.


Unter Begleitung der Kunsttherapeutin Gabriele Max begeben wir uns gemeinsam in einen Prozess, bei dem nicht das schöne Bild im Mittelpunkt steht, sondern die Freude am Gestalten, das Vertrauen in die eigene Kreativität und die Begegnung mit sich selbst. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.


Dieser Kurs wird von der AOK gefördert und ist kostenfrei. Um eine Gebühr von 3,50 € für die Materialien wird vor Ort gebeten.


Teilnehmeranzahl max. 12 Personen. Anmeldungen noch möglich bis 12.07. 👉 dresden@wochenkinder.de



Inhaltlich orientiert sich der Workshop am Gedanken des Point Zero Painting der französisch-amerikanischen Künstlerin Michele Cassou. Für Neugierige und Interessierte lohnt sich ein Blick in ihr Buch „Point Zero – Entfesselte Kreativität“, erschienen im Aurum Verlag. Es ist das Grundlagenwerk ihrer Methode und lädt dazu ein, Kreativität als einen lebendigen Weg des Entdeckens zu verstehen. 




Freitag, 19. Juni 2026

Zusammenfassung des Zoom-Treffens zum Thema "Vertrauen" (23.04.26)

Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen

Zu Beginn des Treffens stellten wir uns vier Fragen: Ob wir uns selbst vertrauen, ob wir jemanden kennen, dem wir blind vertrauen, ob man Vertrauen lernen und weitergeben kann und wem wir im Moment unser größtes Vertrauen schenken. Einige berichteten, dass Selbstvertrauen für sie eine Art Intuition sei, das jedoch ständig weiter entwickelt werden müsse. Andere sprachen über Vertrauen in ihre Kinder oder Familienmitglieder. Manche erleben wechselnde Phasen von Vertrauen und Misstrauen sowie von Selbstvertrauen und Selbstmisstrauen.

Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass Vertrauen lernbar sei. Manche gaben an, Vertrauen in kleinen Schritten zu vergeben und auszuhalten, um es nach und nach erweitern zu können. Gleichzeitig erzählten einige, dass sie früher Vertrauen gegeben hatten und enttäuscht wurden. In manchen Familien wurde vermittelt, dass die eigenen Gedanken oder Handlungen falsch seien oder dass man nicht dazugehöre. Die meist zu spät vermittelte „Wochenkrippen-Nachricht“ hat bei einigen das Vertrauen in die Eltern stark beschädigt, zumal sie zusätzlich von Außenstehenden wenig Verständnis erhielten. Auch das Vertrauen in Therapeutinnen, Therapeuten und Therapiegruppen ist teilweise begrenzt.

Es wurde betont, dass Vertrauen durch positive Erfahrungen wachsen kann, aber nicht leichtfertig vergeben werden sollte. Einige berichteten von übermäßigem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder in Kinder und Partner, die eventuell nicht gerechtfertigt war. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen Selbstmisstrauen entsteht, besonders unter Druck oder im Beisein von Autoritätspersonen. In diesem Zusammenhang wurde auch Gaslighting erwähnt, also das Erleben, durch das Einwirken von Personen an sich selbst zu zweifeln. Manche trauen sich selbst nicht, weil sie ein negatives Selbstbild haben und Schwierigkeiten, etwas Positives über sich zu sagen.

Das Entdecken eigener guter Seiten sei hier hilfreich: Den positiven Aspekten könne man eher vertrauen, den negativen weniger. Ein vermindertes Selbstwertgefühl führt oft dazu, dass die Aussagen anderer Menschen als besonders wichtig erlebt werden. Manche fühlen sich dadurch klein, verletzlich, ausgeliefert und neigen dazu, sich anzupassen und den eigenen gesunden Menschenverstand zurückzustellen. Einige äußerten auch Skepsis gegenüber Menschen mit sehr großem Selbstvertrauen.

Zum Vertrauen in andere gehört für viele Mut. In engen Beziehungen wird Vertrauen teilweise als gefährlich empfunden. Manche sagten, sie könnten Vertrauen geben, vertrauten aber dennoch fast niemandem, was einen starken inneren Widerspruch aufzeigt. Es wurde ein hoher Anspruch an Loyalität, Verschwiegenheit und Privatsphäre beschrieben, sowie die Angst vor Bloßstellung. Einige berichteten, Bloßstellung bereits in Partnerschaften erlebt zu haben.

Einige Teilnehmende erzählten, dass die Arbeit mit Kindern hilfreich sei, da Kinder unverfälscht und oft sehr vertrauensvoll sind. Manche möchten auch in Partnerschaften Vertrauen geben, erleben jedoch, dass der Partner dieses Vertrauen nicht als solches wahrnimmt. Die Wahrnehmung von Vertrauen unterscheidet sich also.

(Rico)

Montag, 8. Juni 2026

Rückblick: Wut, Schuld und Scham – Drei Seiten der gleichen Medaille (Vortrag vom 23. Mai 2026 im Stadtforum)

Am 23. Mai 2026 durfte ich im Stadtforum einen Vortrag zu einem Thema halten, das uns in unseren Beziehungen alle tief bewegt: das sensible Geflecht aus Wut, Schuld und Scham – basierend auf dem gleichnamigen Buch von Liv Larsson.

„Emotionen sind eine Revolution“, ist ein Zitat von Gianna Nannini. Und tatsächlich: Wenn wir beginnen, unsere Gefühle wirklich zu verstehen, verändert das alles. Emotionen bestimmen, wie wir uns in Beziehungen positionieren und wie wir in unseren eigenen Gefühlen wahrhaftigen Ausdruck finden.

Ein erster, mutiger Schritt ist es, schlicht auszusprechen: „Ich bin von dieser Aussage betroffen.“ Unser Körpergespür können wir schulen, denn Emotionen sind keine reine Kopfsache, sie inszenieren sich im Körper. In der Bewusstwerdung untersuchen wir genau: Was passiert gerade in mir? Wo fühle ich was?

Die Facetten sind vielfältig: ein plötzliches Kribbeln oder aufsteigende Hitze, Enge in der Atmung oder schmerzhafte Muskelanspannung und das Gefühl sich ganz klein zu fühlen – bis hin zu diffuser Lähmung, Verlassenheit oder existenzieller Angst, ja sogar Todesangst. Viel zu oft unterdrücken wir diese Signale, um im Alltag reibungslos zu funktionieren, was fatal ist. Wir sind in erster Linie Mensch und natürlich emotional.

Die Verbindung zu anderen Menschen ist emotional gebunden und die Sehnsucht hinter den „schweren“ Gefühlen ist die Sehnsucht nach liebevoller Verbindung. Die Kernbotschaft kann tröstlich sein: Hinter Wut und Schuld liegt Scham, die im Grunde sehr natürlich ist. Wir müssen beim Thema Schuld klar unterscheiden: Es gibt das reale „Schuldig-Werden“ (wie durch ein einfaches Falschparken) und es gibt die tiefsitzenden Schuldgefühle, die aus unserer individuellen Lebenserfahrung stammen. Letztere lassen sich nicht rational wegdiskutieren – sie brauchen Zeit und Raum zur Heilung.

Wie finden wir den Ausweg aus dieser Dynamik? Das wirksamste Gegenmittel gegen Scham, Schuld und Wut sind unsere Würde und ein gesunder Stolz – und es braucht das Selbstmitgefühl. Erst durch dieses bewusste, liebevolle Handeln schaffen wir einen Raum für gesunde Abgrenzung und echten Schutz. Hierfür empfehle ich unbedingt das Buch von Kristin Neff & Christopher Germer: "Selbstmitgefühl". Es gibt dazu auch ein sehr hilfreiches Übungsbuch der beiden Autoren.

***

Nun möchte ich noch ein paar Übungen an die Hand geben:


Atembeobachtung

Unsere natürliche Atmung im Schlaf ist rhythmisch & gleichmäßig. Versuche am Tag deinen Atem zu beobachten und dies ganz unbedingt ohne Wertung: wie nehme ich meinen Atem wahr: rhythmisch, ruhig und angenehm oder kaum, flach und angespannt. Es ist nicht nötig tief zu atmen. Wir bekommen in der Regel immer genug Sauerstoff. Wichtig ist dabei die natürliche Atmung durch die Nase. Sie ist Filter und reflektorisch mit dem Zwerchfell verbunden. Diese Bewegung setzt sich im Bauch und Becken fort.

Das Körpersystem beruhigen

Kommen wir in Ruhe reguliert sich die Atmung von Selbst. Um dies zu unterstützen, atme natürlich über die Nase ein und aus und versuche das Ausatmen zu verlängern (bis auf fünf zählen). Das wirkt beruhigend. Du kannst auch eine klitzekleine Pause nach dem Ausatmen machen und spüren, wie das Einatmen kommt, wie eine Einladung, um unser „Lebenselixier Sauerstoff“ aufzunehmen. Eine Pause zwischen den Atemzügen sehe ich nicht als entspannend an. Es aktiviert.

Sich Positionieren

Im Stehen richte dich natürlich auf und nimm eine Würdevolle Pose ein. Spüre deine Füße auf dem Boden. Wenn das mit Spannung oder widersträubenden Gefühlen einhergeht, lockere dich und lass ein Bild entstehen, wie das aussehen könnte. Wenn das schwierig sein sollte, denke oder visualisiere eine Person, die das für dich ausdrückt.

Mut

Wer hat an dich geglaubt? Wer glaubt an dich? Kannst du an dich glauben? Mut entwickeln wir, indem wir ehrlich unsere Meinung sagen, Grenzen setzen, „ich weiß nicht sagen“, um Hilfe bitten oder eine unangenehme Aufgabe zuerst erledigen. Wichtig: „Ich kann Angst fühlen und trotzdem Handeln.“ Es gibt viele Beispiele und was gibt dir und gab dir am meisten Mut?

Noch ein Wörtchen zu Wut.

Wut entsteht, wenn Grenzen verletzt wurden, wir uns bedroht fühlen und nicht gesehen werden. Wir lernen früh welche Gefühle erlaubt sind. Wut gehört nicht dazu! Wut, wenn sie unterdrückt wird, kann sich in Spannung, Zynismus, Erschöpfung Selbstkritik und Passivität verwandeln. Wut ist nicht das Problem. Entscheidend ist wie sie wahrgenommen, reguliert und ausgedrückt wird.

Gesunde Wut bedeutet deutliche Grenzen zu setzen, Lebenskraft zu erhöhen, Klarheit schaffen und Mut zu erzeugen, indem wir in erster Linie zu uns selbst stehen. Wir können und dürfen uns trotz allem wohl fühlen.

Habt ihr Fragen? Meldet euch bitte! Patricia Ludwig http://patricialudwig-praxis.de

Sonntag, 24. Mai 2026

Sommer 2026: "Qigong im Freien" mit Picknick

Liebes ehemaliges Wochenkind,
mein Weg zum & mit dem Qigong ist von Höhen & Tiefen, Enge & Weite, Stille & Bewegung, Neugier & Erkenntnis, langjähriger Erfahrung und vielen kostbaren Begegnungen geprägt. Vor allem aber hat er mich gelehrt, welche besondere Rolle der Atem für mein Wohlsein spielt. 


Wenn Du Zeit und Lust hast, mit mir Qigong zu schnuppern oder gemeinsam zu praktizieren, lade ich Dich hiermit herzlich zu 3 x "Qigong im Freien" in Dresden (Zentrumsnähe) ins Grüne ein:

am Mittwoch:  08. Juli: 17.00-18.00 Uhr, 15. Juli: 10.00-11.00 Uhr & 26. August 2026: 17.00-18.00 Uhr, weiterlesen hier

Danach ist Zeit für Austausch und Picknick. Bring bitte eine Decke, etwas zu trinken und falls Du länger bleiben kannst, einen Imbiss-Beitrag fürs gemeinsame Vesper mit.


Die Bekanntgabe des Treffpunkts erfolgt nach Deiner Anmeldung per Email an: dresden@wochenkinder.de 

Ich freue mich auf Dich, 
Cornelia


Unsere besonderen Dresdner Woki-Highlights 2026

  • 28.02.26: "Wurzeln im Winter" Workshop mit Autorin, Regisseurin, Coach & "Wochenkind" Lykke Langer in Gotha, weiterlesen hier
  • 23.05.26: "Wut, Scham und Schuld" Vortrag & Übungen mit Körpertherapeutin Patricia Ludwig in Dresden, weiterlesen hier
  • 18.06.26: Lesung & offener Austausch übers "Verlassenwerden und Suchen nach eigenen Wurzeln" mit Autorin & "Wochenkind" Sandy Graf in Dresden, weiterlesen hier
  • 08.07.26: "Qigong im Freien" mit Meditationstrainerin & "Wochenkind" Cornelia in Dresden, weiterlesen hier
  • 15.07.26: "Qigong im Freien" mit Meditationstrainerin & "Wochenkind" Cornelia in Dresden, weiterlesen hier
  • 18.07.26: Selbsthilfe-Workshop "Ausdrucksmalen" mit Kunsttherapeutin Gabriele Max in Dresden, weiterlesen hier
  • 26.08.26: "Qigong im Freien" mit Meditationstrainerin & "Wochenkind" Cornelia in Dresden, weiterlesen hier
  • 04.-06.09.26: Woki-Jahrestreffen in Berlin-Wannsee, organisiert vom Wochenkinder e.V., weiterlesen hier
  • 07.10.26: Vernissage "Wochenkrippe in Gera" mit integrierter Kunstausstellung von Werken von Wochenkindern in Gera, weiterlesen hier
  • 30.10.26: Vortrag zur aktuellen Woki-Forschung mit Stefanie Knorr in Dresden, weiterlesen demnächst hier
  • 21.12.26: Jahresabschluss mit Stadtführung zum Thema "Frauen" mit "Wochenkind" Una in Dresden, weiterlesen demnächst hier
  • Dieser Platz gehört Dir ...
Liebes ehemaliges Wochenkind,
hier könnte Dein Angebot für 2026 stehen -  ob Wandern, Bewegung, Ausstellungsbesuch, Telefonaustausch - oder etwas ganz anderes, was Dir wichtig ist. Schreib uns gern 👉  dresden@wochenkinder.de, wenn Du andere Wokis einladen und mit ihnen gemeinsam neue Wege der Begegnung ausprobieren willst.

Regelmäßige Angebote & Terminübersicht 2026 „WOKI Dresden“

Bundesweite Termine, Angebote & Informationen 

Freitag, 3. April 2026

Vortrag und Übungen zum Thema "Schuld" mit Körpertherapeutin Patricia Ludwig

Liebe ehemalige Wokis,

am Samstag 23.05.2026, 15.00-17.00 Uhr wird es während des regulären SHG-Treffens im Dresdner Stadtforum einen Vortrag und Übungen zum Thema "Schuld" mit und von der Körpertherapeutin Patricia Ludwig geben. Bisher gibt es für diesen Termin noch nicht so viele Anmeldungen. Meldet Euch bei Interesse also gern noch an über "dresden at wochenkinder punkt de"!



Patricia Ludwig war letztes Jahr schon einmal bei uns zu Gast. Hier könnt Ihr diesen vergangenen Termin nachlesen.

(Rico) 

Samstag, 28. März 2026

SHG-Treffen vom 21.03.26

Wir trafen uns in diesem Jahr zum zweiten Mal im ersten Stock des neuen Dresdner Stadtforums in einem angenehm farbig gestalteten Raum und der angrenzenden weitläufigen, bequemen Lounge mit Sofas und einer großen Fensterwand. Zu Beginn gab es eine Vorstellungsrunde und einen Einstieg mit der Frage: "Was hat euch heute zum Lächeln gebracht?"

 

Una hielt danach einen Impulsvortrag über das Thema "Veränderung". Die hier verlinkten Folien stammen ursprünglich von der Selbsthilfeakademie Sachsen.

Häufig haben wir es im Leben mit großen und kleinen Veränderungen zu tun, denen wir eventuell ratlos oder sogar überwältigt gegenüberstehen. Das können negative, neutrale oder sogar positive Veränderungen sein, die Hilflosigkeit aufkommen lassen oder sogar Ängste auslösen. 

Una unterschied zwischen verschiedenen Phasen, die man bei Veränderungsprozessen emotional bewältigen muss. Wir diskutierten darüber, dass nicht immer alle Phasen deutlich wahrnehmbar auftreten und manchmal einige Phasen länger als andere dauern können. In der Regel sei es so, sagte Una, dass in den letzten Phasen der "Akzeptanz", des "Loslassens" und der "Neuentstehung", der emotionale Berg der Veränderung überschritten ist und wir möglicherweise für die nächste Veränderung besser gerüstet sind.

Nach dieser Einführung teilten wir uns in Zweiergruppen auf und erzählten von unseren eigenen anstehenden und vergangenen Veränderungen. Dabei ging es meistens über berufliche Veränderungen wie Jobverlust, Firmenwechsel, Studium oder Projekte, aber auch über Familie. Wir sprachen über erlebte Emotionen, die diese Veränderungen in uns ausgelöst haben, ob etwas Gutes daraus entstanden ist und was wir daraus gelernt haben (zum Beispiel über Stressbewältigung).

Am Ende breitete Una eine ihrer "Wunschlandkarten" aus und lud uns ein, sich den Ort aussuchen, an dem man selbst gerade sei oder an den man gern hinmöchte. Da gab es zum Beispiel Orte: wie "Da geht noch mehr" und "Anerkennung" oder Gewässer: wie "Stilles Fahrwasser" und "Meer der Veränderung" sowie Inseln: wie "Zu Früh" und "Zu spät"

Es war interessant zu beobachten, wie Wunschlandkarten dabei unterstützen können, vor sich selbst versteckte Wünsche und Befindlichkeiten zu verdeutlichen. Oder diese im geschützten Rahmen vor anderen Menschen zu äußern.

Zur Veranschaulichung eine Beispielkarte aus dem Internet:


Eine Buchempfehlung war "Selbstmitgefühl" von Kristin Neff.

Empfehlungen für Handy-Apps waren Balloon und Calm. Beides sind Apps mit deutschsprachigen Inhalten zum Meditieren mit jeder Menge Extras. Balloon wird anteilig sogar von der Krankenkasse finanziert.

Ich möchte noch eine Podcastfolge der Reihe "Besser Leben" verlinken: "Was kann ich tun, wenn ich keinen Sinn im Leben spüre?" Dort geht es unter anderem auch um Veränderungen, die solche Sinnfragen hervorrufen.

(Rico) 

Dienstag, 3. März 2026

Impressionen vom Wochenendworkshop "Wurzeln in Winter" in Gotha, 28.2.-1.3.26

Hinter uns liegt ein sehr intensiver und bewegender Workshop in der Limus Zukunftsschmiede mit ehemaligen Wochenkindern und anderen, die auf dem Weg sind … Herzlichsten Dank an Lykke Langer, Sandy Graf und an unsere beiden fürsorglichen Gothaer Gastgeber Bärbel und Andreas Benkert. 











"Ausdrucksmalen" als neue Erfahrung und eine weitere Möglichkeit von Selbsthilfe

Wir hatten letzten Samstag zu einem Workshop eingeladen, die Methode des Ausdrucksmalens innerhalb einer zweistündigen Gruppensession selbs...