zur Vorankündigung der Universität Erfurt, weiterlesen hier
„Von den Eltern getrennt: Ein Kommentar von Gerlinde Sommer, Chefredakteur/in TLZ“ (Thüringische Landeszeitung v. 04.11.2026), weiterlesen hier
OTZ (2026): Fanny Zölsmann: „Als Kind wurde ich 12 Stunden fixiert“: Heike Liebsch erzählt aus ihrem Krippenalltag. Ostthüringer Zeitung, weiterlesen hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).
Vieth, Vivien (2026): Wochenkinder in der DDR: Gera zeigt ihre Geschichten. MDR Kulturdesk, 7. Oktober 2026. (4 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).
MDR THÜRINGEN (2026): Berührende Ausstellung zu DDR-Wochenkrippen in Gera. MDR THÜRINGEN JOURNAL, 7. Oktober 2026, Fernsehbeitrag (3 Min.), weitersehen hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).
MDR AKTUELL (2026): Verein fordert Aufarbeitung von DDR-Wochenkrippen-Schicksalen. Sendung: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio, Rubrik „Das Interview“, (8. Oktober 2026, 6 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).
Bernhard, Henry (2026): Einsam: Ausstellung „Wochenkinder in der DDR“ in Gera. Deutschlandfunk Kultur, Podcast „Fazit“, 10. Oktober 2026, Audiobeitrag (5:39 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 11. Oktober 2026).
weitere Informationen zur Ausstellung "Wochenkinder der DDR" & "UNERHÖRT! -künstlerische perspektiven ehemaliger wochenkinder", weiterlesen hier
Die neue Ausgabe des Comic-Magazins STRAPAZIN Nr. 164, „WHO CARES“, widmet sich auf 80 Seiten der "Care-Arbeit" und ihren unterschiedlichen Aspekten:
"Als Plattform und Anstoss sich mit gesellschaftlicher Verantwortung und kollektiven Aufgaben ausserhalb tradierter Rollen auseinander zu setzen.", heißt es dazu im Vorwort.
In der Graphic Short Story von der Münchner Künstlerin Ulrike Steinke (www.ulrike-steinke.de) unterhalten sich zwei Freundinnen über Betreuungsformen in Ost und West. Dabei erzählt eine von ihnen, dass ihr Bruder zu DDR-Zeiten in einer Wochenkrippe untergebracht war.
DEUTSCHLANDFUNK KULTUR hatte am 08.09.2026 mit der Herausgeberin Amelie Lihl über die neue Ausgabe und speziell über Ulrikes Beitrag gesprochen, weiterhören hier
Mehr zum Magazin STRAPAZIN und die Neue Ausgabe 164 - WHO CARES, weiterlesen hier
Drei Gedichte zum Thema Farbe (Rico):
Farbtraum
Ich schwamm, im fernen Orient einst,
in einem grauen See
und mit mir Drachen, silberweiß,
mit Schuppen, zart wie Schnee.
Doch ihre Schweife, die den Grund
wohl streiften ab und an
die waren regenbogenbunt
mit Farbensand daran.
Die Farben nahm ich mit vom See
und malte Bild um Bild
und füllte eine Galerie
mit Pferden rot und wild
und blauen Vögeln, Füchsen gelb,
und Pfauen, violett,
die flogen, rannten, wie von selbst,
sogar auf dem Parkett.
Und immer ward der Farbe mehr
und die Besucher tauchten
und schwammen bald darin umher,
zu schöpfen und zu jauchzen.
Ich selber aber war erstaunt,
und konnt‘ es nicht verstehen,
ach soviel Buntes war im Traum
noch nie bei mir zu sehen.
Küchenfenster
Gelbe Blüten über Grün,
Steh'n auf meiner Fensterbank.
Und ich hör den Vöglein zu
Bei ihrem fröhlichen Gesang.
Beim ersten bundesweiten Moderatoren-Treffen in Potsdam 2025 entstand der Wunsch nach einem regelmäßigen kollegialen Austausch derjenigen, die Wochenkinder-Selbsthilfegruppen moderieren oder mit aufbauen. Wie gelingt es, eine Gruppe lebendig und offen zu halten? Wie viel Struktur braucht ein Treffen? Und wie können wir als Moderatorinnen und Moderatoren gut für uns selbst sorgen?
Im April 2026 fand der erste Online-„Woki-SHG-Moderatoren-Stammtisch“ statt. Neun Moderatorinnen und Moderatoren aus Stuttgart, NRW, Dresden, Schwerin, Berlin, Leipzig, Gotha und Stralsund kamen zusammen. Schnell wurde deutlich, wie ähnlich unsere Herausforderungen sind, auch wenn die einzelnen Gruppen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Strukturen haben.
Was bewegt uns in der Moderation?
Im Mittelpunkt standen ganz praktische Fragen aus dem "Gruppenalltag":
Unser Austausch zeigte: Moderation ist mehr als die organisatorische Vorbereitung eines Gruppentreffens. Sie bedeutet auch, einen Rahmen zu schaffen, in dem unterschiedliche Erfahrungen nebeneinanderstehen können, Grenzen gewahrt werden und möglichst viele zu Wort kommen.
Dabei hilft der "kollegiale Blick" von außen. Manchmal reicht schon die Erfahrung eines anderen Moderators, um für eine eigene Situation eine neue Perspektive oder Inspiration zu bekommen.
Jetzt geht es weiter: SAVE THE DATE!
Der Wunsch nach weiteren Online-Treffen ist geblieben. Gemeinsam laden Andrea (SHG Mecklenburg-Vorpommern) und Cornelia (SHG Dresden) zum
2. Online-„Woki-SHG-Moderatoren-Stammtisch“
am Donnerstag, 12. November 2026, 19:00 bis 20:30 Uhr, online via Zoom
Eingeladen sind Moderatorinnen und Moderatoren, Ko-Moderatorinnen und Ko-Moderatoren sowie Interessierte, die gerade eine Wochenkinder-Selbsthilfegruppe gründen.
Wer teilnehmen möchte, meldet sich bitte kurz per E-Mail an: dresden@wochenkinder.de
Der Zoom-Link wird einige Tage vor dem Treffen an alle Angemeldeten verschickt.
Wir freuen uns auf den nächsten kollegialen Austausch mit Euch, auf Erfahrungen aus unterschiedlichen Gruppen und vielleicht auch auf neue Ideen, die anschließend wieder in die einzelnen SHGs zurückfließen können.
Herzlichst,
Andrea & Cornelia
Aus unserer Angebotsreihe "Wochenkinder Sachsen"
Wir fragten uns zu Beginn des Treffens:
- Erlaube ich mir, um etwas zu trauern, das mir in meiner Kindheit vielleicht gefehlt hat?
- Kennst oder entwickelst Du Rituale, die Dir im Umgang mit Deiner Geschichte als ehemaliges Wochenkind helfen?
- Erlebst Du einen Unterschied zwischen traurig sein und trauern?
Trauer - wenn Verluste lange nachwirken
Oft verbinden wir Trauer zunächst mit dem Tod eines nahestehenden Menschen. Doch Verlusterfahrungen können schon viel früher beginnen und ganz unterschiedliche Formen annehmen: beim Verlust eines geliebten Haustieres, beim Wegzug von Freunden, in Schule, Ausbildung oder Studium, wenn Wünsche, Abschlüsse oder Ziele nicht erreicht werden, nach einem Umzug, beim Verlust des Arbeitsplatzes oder der eigenen Gesundheit. Trauer kann auftauchen, wenn etwas, das uns wichtig ist, nicht mehr da ist oder nicht so geworden ist, wie wir es uns gewünscht haben. Sie kann vieles durcheinanderwirbeln. Nichts ist mehr so wie vorher.
Für ehemalige Wochenkinder bekommt das Thema eine besondere Bedeutung. Verlusterfahrungen können bis in die frühe Kindheit als existenzielle Prägung zurückreichen: die Trennung von der Mutter, das Abgegebenwerden in die Wochenkrippe oder ins Wochenheim, die Tage und Nächte fern von der Familie. Was damals geschah, konnte von einem Baby oder Kleinstkind weder verstanden noch betrauert werden. Manche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben, wie ihnen erst im Erwachsenenalter bewusst wurde, was ihnen an Nähe, Geborgenheit und familiärem Dazugehören gefehlt hat.
Dass uns solche frühen Erfahrungen körperlich und seelisch noch lange begleiten können, ist die geteilte Grunderfahrung unseres Austauschs. Zugleich verweist sie auf ein langes Unverständnis, das bis zur Abwehr von Trauer reichen kann und nicht nur familiär, sondern auch gesellschaftlich bedingt ist. Manche beschrieben, dass sich ihre Trauer auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar macht. Sie erleben bis in die Gegenwart, wie sie selbst körperliche oder psychische Reaktionen nicht immer unmittelbar mit früheren Verlusterfahrungen in Verbindung bringen können. Darüber in dieser Runde erstmals zu sprechen, ist für einige von uns ein erster Schritt: Trauer wahrzunehmen, sie zu fühlen, zu benennen, zu durchleben, auszuhalten, sie zu integrieren, sie zu verwandeln in heilsame Rituale ...
Bin ich traurig oder trauere ich?
Diese Frage erwies sich im Verlauf des Austauschs als besonders tragfähig. Traurig zu sein kann ein vorübergehendes Gefühl sein. Trauern hingegen kann ein längerer Prozess sein, in dem sich etwas verändert und wandelt. Plötzliche Verluste können zunächst sogar zu einer Erstarrung führen. Die Trauer ist dann vielleicht noch gar nicht unmittelbar spürbar. Sie kann erst später ihren Tribut oder Raum einfordern.
Im Austausch kam auch die Frage auf, wie wir erkennen können, was zu einem gegenwärtigen Verlust gehört und was durch frühere Erfahrungen berührt wird. Begriffe wie Gefühlsflashback oder Überflutung wurden angesprochen. Dabei wurde deutlich: Eine gegenwärtige Situation kann sehr alte Gefühle wieder lebendig werden lassen. Gerade für Wochenkinder erweist es sich als hilfreich, solche Zusammenhänge wahrzunehmen.
Kann sich hinter der Trauer Wut verbergen?
Oder anders ausgedrückt: Liegt unter der Wut möglicherweise Trauer? Manche begannen die eigene Wut erstmals als Erwachsene neu und anders zu verstehen. Eine TeilnehmerIn berichtete, dass ihr besonders nach der Geburt ihrer eigenen Kinder bewusst geworden sei, was ihr selbst als Kind gefehlt hatte. Diese Erkenntnis habe nicht nur seelischen, sondern vor allem körperlichen Schmerz ausgelöst. Ein anderer beschrieb seine Wut und unangepasste Art als etwas, das schon in seiner Kindheit deutlich gewesen sei. Erst viel später habe er Zugang zu der Traurigkeit gefunden, die darunter gelegen habe.
Selbst die eigene Lebenslust wurde im Licht der "Trauer" neu betrachtet: Sie wirkt als elementare Energie und trägt zugleich dazu bei, dass Traurigkeit lange nicht wahrgenommen wird. Beides kann Teil von Überlebensstrategien sein, die mit Lebensbeginn hilfreich und geradezu überlebensnotwendig waren, ohne zuvor das "Warum" oder "Woher" gekannt zu haben.
Männer und Trauer
Auch die Frage, ob Männer anders trauern oder anders über Verluste sprechen, beschäftigte die Runde. Es wurde davon berichtet, wie schwer es sein kann, Gefühle zu zeigen oder überhaupt auszusprechen. Patriarchale (Groß)väterliche Prägungen durch Sätze wie „Sei ein Mann“ oder „Ein Mann weint nicht“ können bis ins Erwachsenenalter nachwirken. Trauer muss deshalb nicht sichtbar sein, auch wenn sie da ist.
Viel Kraft, meist Härte gegen sich selbst, kann darauf verwendet werden, durch den Alltag zu kommen und traurige Gedanken oder Verlustgefühle nicht an sich heranzulassen. Noch heute koste es so viel Energie, um durch den Tag zu kommen, um traurige Gedanken nicht zu zulassen, - Verlustängste, Traurigkeit abgegeben worden zu sein ... Tage, Wochen in der Einrichtung, weg von der Familie ...
Trauer als Erinnerungskultur
Erinnerungen können zutiefst schmerzhaft sein. Sie können aber auch zu einer Ressource werden: gemeinsame Erlebnisse bewusst in Erinnerung zu holen, sich an Menschen zu erfreuen, die nicht mehr da sind, und das Gewesene als Teil des eigenen Lebens anzuerkennen. Auch Rituale können dabei unterstützen. Was guttut und wann etwas Raum braucht, ist für jeden Menschen unterschiedlich: „Jeder kann für sich herausfinden, was gut tut.“
Lebenskrisen als Suchbewegung
Lebenskrisen, die auch durch die Auseinandersetzung mit biografischen Leerstellen wie der „Wochenkindheit“ entstehen können, eröffnen vielleicht Zeiten der Besinnung und Selbsterkenntnis. Sie bringen Fragen mit sich: Was will ich? Wer bin ich? Wo möchte ich sein? Wie lassen sich Trauer, Melancholie und Depression voneinander unterscheiden? Welche Zeit braucht Traurigkeit? Welche Zeit beanspruche ich als trauernder Mensch für mich und wer schenkt sie mir oder schenke ich sie mir selbst?
Für einige der Teilnehmenden erwies sich das gemeinsame Sprechen über Trauer als erhellend und befreiend. Nicht unbedingt, um Gewissheit und Trost zu finden, sondern um der eigenen Trauer endlich einen ihr würdigen Platz geben zu können. Eine Rückmeldung aus der Runde fasste es so zusammen: „Trauer ist eine andere Form der Liebe.“
"Das kleine ICH BIN ICH“
Zum Abschied wurde diese Geschichte vorgelesen:
zur Vorankündigung der Universität Erfurt, weiterlesen hier „Von den Eltern getrennt: Ein Kommentar von Gerlinde Sommer, Chefredakteur/in T...