Samstag, 7. November 2026

"Benennen, was ich gebraucht hätte ..."

Nach dem Kreativtreffen im Oktober (weiterlesen hier) erreichte uns dieser erste Beitrag: 

"Was hätte ich als kleines Menschenkind gebraucht?

Es ist schwer zurück zu denken an etwas, das soweit zurück liegt und sich im Nebelschleier verbirgt.

Meine Seele, meine Gefühle, meine Haut und mein Herz aber erinnern sich. Was hätte ich gebraucht?

Eine Hand, die mich hält, eine Hand, die nicht schubst und drängelt, eine warme schützende Hand, die mich führt, wenn ich Angst im Dunkeln hatte.

Wie habe ich geschlafen in diesen sterilen Räumen? Ohne ein Kuscheltier, ohne im Nest zu liegen, wie ich es für meine Kinder aus Decken gebaut habe.

Wer hat mich beschützt, mich versorgt, wenn ich Fieber, Bauchweh und Ohrenschmerzen hatte, wie es Säuglinge und Kleinkinder phasenweise durchleben. 

Wer hat mir Kamillentee gegeben? Mich gehalten, getröstet, gewärmt - bis ich mich beruhigt habe?

Ich hatte eine Sehnsucht nach anderen Kindern in der Seele, aber ich konnte sie offenbar nicht um mich haben. Stille, so scheint mir, hatte ich oft um mich. Oder war es das Brabbeln, das Weinen, das Quieken der anderen kleinen Menschen im gemeinsamen Spielbettchen?

Warum hatte ich sehr lang diese Sehnsucht nach menschlicher, körperlicher Wärme?

Gebraucht hätte ich eine kuschelige warme, nach Pudding und Blumen duftende Frauenseele mit einer herzlichen Stimme.

Eine Zauberfee.

Ein 61 jähriges ehemaliges Wochenkrippen/Heim-Kind aus der Niederlausitz.

Gebraucht hätte ich die volle Liebe und Zuwendung, die Sicherheit willkommen zu sein, in dieser Welt. 

Oktober 2026"

Vielen Dank an L. 💖

Gern veröffentlichen wir hier weitere Zusendungen an: dresdner@wochenkinder.de


Kreativgruppe "WG 6", 06.11.2026


"Gesehen werden, berührt werden und aufmerksam zuhören ..." 

Unterbrechung des Selbstverständlichen - Eine leiblich-kognitive Schreibintervention


Die ungewohnte Hand


Wir alle haben eine Schreibhand, mit der wir vertraut sind. Mit ihr können wir unsere Gedanken meist flüssiger und selbstverständlicher aufs Papier bringen. Was aber geschieht, wenn wir die andere, ungeübte Hand benutzen?


Drei Satzanfänge


Nimm ein Blatt Papier und schreib mit Deiner ungeübten Hand die folgenden drei Satzanfänge weiter. Lass Dir Zeit. Schreib ohne lange zu grübeln, was Dir in den Sinn kommt. Es gibt kein Richtig oder Falsch.


Gesehen werden …


Berührt werden …


Aufmerksam zuhören …


Versuche, möglichst nicht lange nach den passenden Worten zu suchen. Lass Deine Gedanken sich „mit links“ ausdrücken.


Lesen und Nachspüren


Wenn Du fertig bist, lies Dir Dein Geschriebenes laut vor. 

Nimm Dir einen Moment Zeit und spüre nach:


Wie war es für Dich, mit der ungeübten Hand zu schreiben?

Was ist Dir beim Schreiben durch den Kopf gegangen, hinsichtlich des Schreibtempos, der Veränderung des Schriftbildes und der Entwicklung Deiner Gedanken?

Welche Gefühle oder Körperempfindungen hast Du wahrgenommen?

Wie fühlt es sich jetzt an, die eigenen Worte laut zu hören?


Wie geht es Dir, wenn Du ein angelerntes Verhaltensmuster durchbrichst?

Könnte es sich lohnen, auch andere „ungewohnte“ Bewegungen und Muster auszuprobieren? Zum Beispiel morgen früh einmal mit dem anderen Fuß zuerst aus dem Bett aufzustehen?


Schreib uns gern Deine Erfahrungen & eigenen Inspirationen und teile sie mit uns, wenn Du magst! an: dresden@wochenkinder.de 


Zur weiteren Anregung ein paar Beispiele von unserem gestrigen Treffen:







***

Wir sehen uns wieder am 4. Dezember, weiterlesen hier




Donnerstag, 5. November 2026

Podiumsgespräch: "Ungehalten - Wochenkinder in der DDR und heute" in Erfurt, 04.11.2026

zur Vorankündigung der Universität Erfurt, weiterlesen hier


„Von den Eltern getrennt: Ein Kommentar von Gerlinde Sommer, Chefredakteur/in TLZ“ (Thüringische Landeszeitung v. 04.11.2026), weiterlesen hier

Dienstag, 20. Oktober 2026

REMINDER: Wissenschaftlicher Vortrag & Austausch in Dresden am 30.10.2026



Ausführliche Informationen, bitte weiterlesen hier

Eine alternative Möglichkeit, Dipl.Psych. Stefanie Knorr zu erleben 
und Einblicke in ihre Forschung zu erhalten, 
gibt es seit dem 2.11.26 in dem Wochenkinder Podcast "Ungehalten"
12. Folge zum Thema: "Die Folgen der Wochenkrippe: Was sagt die Wissenschaft?",
weiterlesen hier

 

Freitag, 9. Oktober 2026

Impressionen & Stimmen zur Ausstellungseröffnung "Wochenkinder in der DDR" in Gera vom 07.10.2026









© wochenkinder.de

Außerdem berichteten der MDR und die Presse aus Thüringen:

OTZ (2026): Fanny Zölsmann: „Als Kind wurde ich 12 Stunden fixiert“: Heike Liebsch erzählt aus ihrem Krippenalltag. Ostthüringer Zeitung, weiterlesen hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).

Vieth, Vivien (2026): Wochenkinder in der DDR: Gera zeigt ihre Geschichten. MDR Kulturdesk, 7. Oktober 2026. (4 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).

MDR THÜRINGEN (2026): Berührende Ausstellung zu DDR-Wochenkrippen in Gera. MDR THÜRINGEN JOURNAL, 7. Oktober 2026, Fernsehbeitrag (3 Min.), weitersehen hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).

MDR AKTUELL (2026): Verein fordert Aufarbeitung von DDR-Wochenkrippen-Schicksalen. Sendung: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio, Rubrik „Das Interview“, (8. Oktober 2026, 6 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 9. Oktober 2026).

Bernhard, Henry (2026): Einsam: Ausstellung „Wochenkinder in der DDR“ in Gera. Deutschlandfunk Kultur, Podcast „Fazit“, 10. Oktober 2026, Audiobeitrag (5:39 Min.), weiterhören hier (abgerufen am 11. Oktober 2026).

weitere Informationen zur Ausstellung "Wochenkinder der DDR" & "UNERHÖRT! -künstlerische perspektiven ehemaliger wochenkinder", weiterlesen hier

„Wochenkinder“ als Thema in Graphic Short Story von Ulrike Steinke

Die neue Ausgabe des Comic-Magazins STRAPAZIN Nr. 164, „WHO CARES“, widmet sich auf 80 Seiten der "Care-Arbeit" und ihren unterschiedlichen Aspekten:


"Als Plattform und Anstoss sich mit gesellschaftlicher Verantwortung und kollektiven Aufgaben ausserhalb tradierter Rollen auseinander zu setzen.", heißt es dazu im Vorwort.


In der Graphic Short Story von der Münchner Künstlerin Ulrike Steinke (www.ulrike-steinke.de) unterhalten sich zwei Freundinnen über Betreuungsformen in Ost und West. Dabei erzählt eine von ihnen, dass ihr Bruder zu DDR-Zeiten in einer Wochenkrippe untergebracht war.


© Ulrike Steinke


DEUTSCHLANDFUNK KULTUR hatte am 08.09.2026 mit der Herausgeberin Amelie Lihl über die neue Ausgabe und speziell über Ulrikes Beitrag gesprochen, weiterhören hier 


Mehr zum Magazin STRAPAZIN und die Neue Ausgabe 164 - WHO CARES, weiterlesen hier



Dienstag, 6. Oktober 2026

Drei farbige Gedichte

Drei Gedichte zum Thema Farbe (Rico):

Farbtraum

Ich schwamm, im fernen Orient einst,
in einem grauen See
und mit mir Drachen, silberweiß,
mit Schuppen, zart wie Schnee.
Doch ihre Schweife, die den Grund
wohl streiften ab und an
die waren regenbogenbunt
mit Farbensand daran.

Die Farben nahm ich mit vom See
und malte Bild um Bild
und füllte eine Galerie
mit Pferden rot und wild
und blauen Vögeln, Füchsen gelb,
und Pfauen, violett,
die flogen, rannten, wie von selbst,
sogar auf dem Parkett.

Und immer ward der Farbe mehr
und die Besucher tauchten
und schwammen bald darin umher,
zu schöpfen und zu jauchzen.
Ich selber aber war erstaunt, 
und konnt‘ es nicht verstehen,
ach soviel Buntes war im Traum
noch nie bei mir zu sehen.

Küchenfenster

Gelbe Blüten über Grün,
Steh'n auf meiner Fensterbank.
Und ich hör den Vöglein zu
Bei ihrem fröhlichen Gesang.

Rosa Wolken ziehen langsam
Durch das morgendliche Blau.
Was ich dachte, was ich wollte,
Weiß ich nicht mehr so genau. 

Die Malerin

Übers Moor an schwarzen Gräben,
Gehst Du, rosiges Gesicht.
Malst das Licht in gelben Fäden
Über Birken und Du sprichst
Deinen Vers in runden Formen
Braune Augen, Nase, Mund -
Die Seele macht sie einfach und
Der deine fröhlich lacht.


"Benennen, was ich gebraucht hätte ..."

Nach dem Kreativtreffen im Oktober (weiterlesen hier ) erreichte uns dieser erste Beitrag:  "Was hätte ich als kleines Menschenkind ge...