Freitag, 25. September 2026

Zusammenfassung des Zoom-Treffens zum Thema „Scham“ (24.09.2026)

Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen

Unser Austausch wurde mit einer einfachen, jedoch nicht leicht zu beantwortenden Frage eröffnet: Gibt es Erinnerungen aus der frühen Kindheit, in denen ihr Scham empfunden habt oder beschämt wurdet?


„Ich kenne beides: Scham und Beschämung.“


Einige erinnerten sich eindrücklich an Situationen ihrer frühen Kindheit, in denen sie vor anderen bloßgestellt und auch ausgelacht wurden. Sie erzählten von konkreten Beschämungen, wie ungeduldigen Schubsereien eines Elternteiles, Beleidigungen und Abwertungen, eines generellen „Unerwünschtseins“, an das In-die-Ecke-Stellen durch damals sogenannte "Krippentanten" oder an das Gerügtwerden „von oben herab“.


„Bloß nicht auffallen. Bloß nicht im Mittelpunkt stehen.“


Als eine weitere beklemmende Schamsituation wurde beschrieben, wenn plötzlich alle Blicke auf einen gerichtet sind. Ein Gedicht aufsagen, vor dem Weihnachtsmann singen, etwas vortragen oder vorführen müssen, tauchten dazu als peinvolle frühkindliche Erlebnisse auf. Schnell wurde deutlich, dass Scham etwas mit einer sehr speziellen Ambivalenz des Gesehenwerden zu tun hat: Man wird sichtbar, obwohl man möglichst „am liebsten im Boden versinken“ möchte.


Die meisten von uns prägen diffuse Schamgefühle bis in die Gegenwart. Eine Teilnehmer:in bemerkt die bis heute reichende Scham beispielsweise dadurch, dass sie sich ständig entschuldigt oder rechtfertigt. Eine weitere Teilnehmer:in brachte es in etwa so auf den Punkt: Nur in unserer Selbsthilfegruppe ist es mir möglich, überhaupt darüber sprechen zu können, dass Schamgefühle meine täglichen Begleiter geworden sind. 


Auch andere beschrieben insbesondere ihre heutige berufliche Situation oder öffentliche Rolle als einen eigentümlichen Widerspruch: Als Erwachsene sind sie groß, laut und sichtbar, teilweise sogar in wichtigen Leitungspositionen, obwohl sie eigentlich nach wie vor nicht gesehen werden möchten. Gerade weil sie „laut“ und „sichtbar“ sind, reagieren andere Menschen auf sie. Man ist in eine exponierte Rolle hineingewachsen, obwohl man sich innerlich am liebsten möglichst kleinmachen und „einmummeln“ würde. 


Wir fragten uns: Ist eine solche äußere Sichtbarkeit eventuell auch eine Antwort auf eine frühe Erfahrung des "Nicht-gesehen-Werdens" durch den streng regulierten Wochenkrippenalltag? Nicht im Sinne einer einfachen Erklärung sondern als Spannung, die sich durch die eigene Biografie zieht? Sichtbarkeit könnte unbewußt auch zu einer möglichen Kompensationsstrategie geworden sein.


Von allen geteilt wurde die Einsicht, dass Scham kein eindeutiges Gefühl ist. Sie kann sich mit Traurigkeit, Neid, Angst oder Schuld verbinden. Eine Erinnerung brachte das Problem der Unbestimmtheit besonders deutlich zum Ausdruck: Das ehemalige Wochenheimkind bekam „etwas Besonderes“, eine Puddingsuppe, und konnte deshalb einerseits denken: „Ich bin etwas Besonderes.“ Gleichzeitig war genau dieses „Besondere“ der Hinweis darauf, dass es zu den Kindern gehörte, die im Wochenheim bleiben mussten und von den Eltern nicht abgeholt wurde. Stolz und Neid, Besonderheit und Ausgeschlossensein, Scham und Traurigkeit lägen demzufolge dicht beieinander.


„Ich wusste lange gar nicht, dass ich so bedürftig bin.“ 


Als eine besondere Schwierigkeit der frühen Wochenkindheit wurde folgende Ausgangslage beschrieben: Wenn selbstverständliche Bedürfnisse eines Babys nach Nähe, Zuwendung und Verlässlichkeit nicht ausreichend beantwortet werden, kann das eigene Bedürftigsein später selbst mit Scham besetzt sein.


Auch Geburtstage sind für einige von uns schambesetzt. Dahinter könnte etwas stehen, so der Hinweis einer anderen Teilnehmer:in, das in einschlägiger Fachliteratur als „Daseinsscham“ beschrieben wird: eine tief sitzende Empfindung, „ungewollt“ zu sein oder mit dem eigenen Dasein zu viel, zu sichtbar, zu anstrengend für andere zu sein.


Möglicherweise liegt hier auch eine Verbindung zwischen früher Beschämung und dem späteren schlechten Gewissen: Man hat nicht nur gelernt, dass man etwas falsch gemacht haben könnte. Man hat womöglich viel grundlegender gelernt, dass das eigene Bedürfnis selbst schon zu viel sein könnte.


Wenn der Körper spricht


Auch das Gefühl einer Form der „Fremdscham“ wurde angesprochen: Wenn andere Kinder wegen ihrer "Vergehen" vor der Gruppe zur Rechenschaft gezogen werden sollten und man rot wurde, obwohl man selbst vollkommen unschuldig war, d.h. "gar nichts getan hatte". Der Körper reagierte, ohne dass man sich davor schützen oder bevor man überhaupt erklären konnte, warum. 


Manche beschrieben als mögliche Folge von Schamerfahrungen ein vermindertes Selbstbewusstsein, das Vermeiden von Blickkontakt oder in schamüberflutenden Situationen einen regelrechten Totstellreflex. Schließlich wurden Phänomene von Hautreaktionen beschrieben: in der Hauptsache das Rotwerden - auch bis weit ins Erwachsenenalter hinein, Wärmeempfindungen, Enge & Weite sowie andere Anzeichen. Die Haut markiere eine Intimitätsgrenze.


Scham ist dann nicht nur ein Gedanke über sich selbst, sondern zeigt sich unmittelbar körperlich. Mehrfach bestätigt wurde, dass der Körper manchmal etwas zu wissen scheint, bevor der Kopf dafür Worte findet. Oder, wie es eine Teilnehmer:in noch eindringlicher formulierte: „Der Körper vergisst nicht.“


Scham & Schuld?


In Bezug auf die eigene Elterngeneration und deren zumeist abwehrender Umgang mit dem Thema "Wochenkinder" kam die grundsätzliche Frage auf, zu der in diesem Blog an anderer Stelle bereits ein erster Impuls veröffentlicht wurde: Lassen sich Scham und Schuld überhaupt voneinander trennen? (weiterlesen hier)


Diese Spur führte schließlich auch zur „Erfolgs- und Ergebnisbeschämung“ durch Erwachsene. Solche Beschämungen entstehen möglicherweise erst viel später, können aber an frühere Frustrationserfahrungen aus Erziehungs- und Schulsystemen anschließen. Produktivität, Leistung und Fortschrittsblianzen werden dann zu Maßstäben für den eigenen Wert.  


„Bist du denn da schon weitergekommen?“ Oder: „Was ist aus deiner Arbeit geworden?“ Gerade diese Art von Fragen können frühkindliche Beschämungen beim Angesprochenen wachrufen, weil sie scheinbar darauf abzielen, nur von außen betrachtet und bewertet zu werden. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit, heute als Erwachsener anders damit umzugehen. Zum Beispiel, indem man nicht automatisch in die Rechtfertigung geht, sondern zurückfragt: „Warum fragst du mich das?“ 


Welche Rolle spielte das Wochenkrippenpersonal?


Damit ergab sich für die Runde ein weiterer Fragekomplex, der jeden von uns biografisch mehr oder weniger geprägt hat: Welche der Schamgefühle sind explizit und tatsächlich auf die institutionelle Fremdbetreuung, sprich: Wochenkrippen & -heime zurückzuführen, wenn Anpassung beispielsweise durch Bloßstellung, Zurückweisung oder Bestrafung durch Isolation – etwa das „In-die-Ecke-Stellen“ – herbeigeführt wurde? Welche Spuren können solche frühen Erfahrungen hinterlassen, wenn existenzielle Grundbedürfnisse eines Babys und Kleinkinds, die eigentlich selbstverständlich sein dürften, später mit Scham besetzt sind?


Dabei geht es nicht darum, aus einzelnen Erfahrungen eine allgemeine Aussage über das Wochenkrippenpersonal abzuleiten. Vielmehr stellt sich für uns die legitime Frage, welche sehr unterschiedlichen Erfahrungen DDR-Generationen von Kindern in diesen Einrichtungen gemacht haben - und welche Spuren davon bis heute als Scham nachwirken und unser Leben beeinflussen.

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Zur weiteren Nachbereitung zum Thema wurde ein Interview mit dem Sozialspsychologen & Schamforscher empfohlen:


Stephan Marks: Unter der Wut: die Scham? | Utopie-Konferenz 2026


sowie folgende Lektüren:


Michael Titze: Die heilende Kraft des Lachens. Mit therapeutischem Humor frühe Beschämungen heilen. Kösel, 1995.  

Annie Ernaux: Die Scham. Suhrkamp, 2020 [frz. La honte, 1997].  

Stephan Marks: Scham – die tabuisierte Emotion. Patmos, 2007.  

Udo Baer / Gabriele Frick-Baer: Vom Schämen und Beschämtwerden. Beltz, 2009 [zuerst Affenkönig, 2000].  

Udo Baer / Gabriele Frick-Baer: Das große Buch der Gefühle. Beltz, 2014.  

Udo Baer / Gabriele Frick-Baer: Wie Kinder fühlen. Beltz, 2009. 

(Cornelia) 

Donnerstag, 17. September 2026

Zwei Gedichte

Hier sind zwei Gedichte von mir, die sich mit Themen befassen, die wir teilweise auch schon in der Zoom-Runde besprochen hatten. Das erste Gedicht ist über Moralvorstellungen, über die innere Wahrnehmung und die Wahrnehmung von Anderen und den eigenen Grenzen.

Das zweite Gedicht ist über die Emotionalisierung der eigenen Wortgespinste, die Wahrnehmung von Wortkonstrukten als Wesen oder physische Grenzen und allgemein die Macht von Worten. (Rico)

Die Handlung, die Wandlung

Neulich dachte ich voll Ernst,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und mit einem Mal
wird der Saal zum Rutschparkett.

Vom „So tut man`s“ führt der Pfad
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich matt,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler weh,
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir seh:
Monster aus Gedankengängen.

Egoismus, Neid und Gier,
glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen,
"Horch, was kommt von draußen rein",
sing ich, ach um Himmels willen!

"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir,

oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir,
oder andre?", frag ich mich.

"Oder bin ich alle hier?",
halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte.
Bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.

Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.


Ein Gedicht über Geschichten

Es lebte ein Geschichtelein
in einem hohem Turm allein
und wie sie sprach, vor Langeweil,
da wuchsen Kinder, Zeil um Zeil.

Die Kinder waren blass und dünn,
und ähnlich sich, so wie Kopien,
sie waren Heimat, Beistand auch
und ihr vor allem sehr vertraut.

Doch eines Tages fiel ihr auf,
denn die Geschichte kam darauf,
sie schaute auf ihr Kinderheer,
wie eines glich dem andern sehr,
und wie das Leben eng und fad,
so dass sie Gott um Hilfe bat.

Und so kam eine Geisterfee,
mit Schwanenflügeln, weiß wie Schnee,
und gab ihr einen Zauberspruch
und schrieb ihn ihr ins Gästebuch:
"Was mein Geschwätz noch gestern war,
erscheint mir heute sonderbar."

Und kaum gesagt, da hing ein Strick
vom Fenster, ach und welches Glück,
hing ganz herunter bis zum Grund
so dass sie munter und gesund
vom hohen Turm gestiegen bald 
und machten dort kurz Rast und Halt.

Sie kamen dann zu einem Ort,
und viele Märchen waren dort,
und Fabeln und Novellen gar
und eine Kurzgeschichtenschar.

Die saßen zum Gespräch im Rund
und ihre Kinder waren bunt,
den dünnsten Kindern aber, ach,
geschah ein großes Ungemach.

Es ward gebastelt und probiert,
und Schwaches wurde neu sortiert.
und viele Kinder wurden fit
und halfen selber tüchtig mit.

Doch als man ihre Kinder brach,
da sah die Mutter Rot und sprach:
"So stoppet euren Mummenschanz
und lasset meine Kinder ganz,
die anders sind und von euch fremd,
ihr Rüpel, dass ihr euch nicht schämt!"

Und baute Käfigwörter drum,
um ihre Kinder ringsherum,
doch störte das die andern sehr,
sie witterten Gefahr und mehr
und ließen diese Kinder frei
und sperrten ihre Mutter ein.

Gar mächtig war nun ihr Verlies
und einsam war es ohnedies
und alle glaubten fest daran
das niemand draus entkommen kann.

Und da verstand den Zauberspruch,
ja, jener aus dem Gästebuch,
das unsrige Geschichtelein
und daraufhin fiel es ihr ein,
wie stark der Wortgebilde Kraft,
die sie geäußert und gedacht
in ihrem Kopf, der weiter sann,
ob eine Weltgeschichte dann,
die über alle sie erzählt,
es gab und wer die Szenen wählt
und was, wenn alles Zufall wär,
und jedes Schicksal eine Mär?

Nun kamen manche, sie zu hörn
und sie erzählte ihnen gern,
den ihrigen Gedankengang
und deshalb war die Zeit nicht lang
bis die Vernunft im Land gewann
und man zu jenem Schlusse kam:
Es wird verboten fürderhin,
Gefängniszäune hochzuziehn!

Den Gram um ihre Kinderlein
verstand man nun und lud sie ein
zum Ort wo die Gedanken blühn
in Einzelteilen, ohne Sinn,
bis dann und wann mal jemand kam
und etwas davon mit sich nahm.

Es war das Leben, nicht der Tod,
ein Ort des Werdens, der Geburt
und die Geschichte nun genas
weil sie die anderen auch las
und strickte und erzählte fein,
das fröhliche Geschichtelein.

Samstag, 8. August 2026

Kreativgruppe "WG 6", 07.08.2026

"Not everything that is faced can be changed, 
but nothing can be changed until it is faced." 
James Baldwin

Nicht alles, was wir bewusst anschauen, können wir verändern. Aber nichts kann sich verändern, solange wir es nicht anschauen. 


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***


DER WEG
VERSCHIEDENE MÖGLICHKEITEN
SCHATTEN
STEINE AM WEG
GROSSER BERG
SICH ZUWINKEN
LOSGEHEN
MUT


***
Brief 
an mich 
kommt kaum vor
Ich schreib an mich
Liebevoll


"Liebe A.

ich freue mich, Dir zu schreiben.  

Ich weiß, Du freust Dich darüber, wenn jemand sich die Zeit dafür nimmt.

Bisher hast Du Anderen diese Freude bereitet und nun also kommst Du in den Genuss, Post von einem Dich liebenden Menschen zu erhalten. Und weißt Du, wer das ist? Wahrscheinlich kommst Du nicht darauf, wer ich bin. Oder doch?

Liebe A., 

ich bin Du. Ja, Du liest richtig. Ich schreibe Dir, also mir einen Brief. Das fühlt sich gut an. Ich freue mich, dass ich mir die Zeit für mich nehme und überlege nun aber doch, was ich schreiben möchte…

Liebe A.,

ich weiß, Du bist immer für Deine Kinder, J. und S. da, hörst ihnen zu und hast das Bedürfnis, sie zu unterstützen. Nur leider verlierst Du dabei Dich und Deine Bedürfnisse aus den Augen. Kennst Du diese überhaupt? Ich glaube nicht. 

Ich bin ehrlich zu Dir. Es fällt mir unendlich schwer, an Dich, mein Ich, zu schreiben. Bei anderen, mir nahe stehenden Menschen fällt mir das wesentlich leichter. 

Sei bitte nicht traurig, dass ich für Dich nicht die passenden Worte heute finde. Ich werde das, liebe A., bald nachholen. Zuerst benötige ich dafür Zeit, mich mit Dir, mein Ich, näher zu beschäftigen. Ich möchte so viel von Dir erfahren: Was bewegt Dich und warum? 

Was bereitet Dir Freude? 

Welche Wünsche und Ideen hast Du für Dich für die nächste Zukunft? 

Was hält Dich davon ab, Ideen für Dich selbst zu suchen und zu finden?

Liebe A., 

wer bist Du? Ich weiß sooo wenig von Dir und möchte das ab heute ändern. Ich denke, der Anfang ist mit diesem Brief gemacht. Mal sehen, wie viele noch folgen werden. Auf jeden Fall lade ich Dich ein, mit mir in Schreibkontakt zu treten. Vielleicht wächst ja mehr als Interesse darauf - mehr als Freundschaft. Vielleicht, so meine Hoffnung, entsteht ja aus dem ehrlichen Interesse an Dir am Ende sogar Liebe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir antwortest. Lass Dich aber bitte nicht unter Druck setzen. Alles kann, nichts muss.

Liebe A., 

ich mag Dich sehr, auch Dein manchmal widersprüchliches Verhalten. So bist Du eben - das gehört zu Dir. Lass uns darüber in regelmäßigen Austausch treten. Ich freue mich schon darauf. 

In Liebe, Deine an Dich denkende A." 

  ***

Brief 
an mich 
fällt mir schwer
Ich übe regelmäßig, ab
heute

***



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Allen weiterhin vielseitige Inspirationen - bis zum nächsten Mal, am 4. September, weiterlesen hier ...


Montag, 3. August 2026

Auf ein Wiedersehen in Berlin-Wannsee am 04.-06.09.26

Hallo Ihr lieben Wochenkinder in Dresden,

unsere Vorbereitungen für das Jahres‑Wochenkinder‑Treffen am Wannsee laufen auf Hochtouren. Im Bildungs‑ und Schulungszentrum von Verdi arbeiten wir gerade mit viel Herzblut an einem schönen, abwechslungsreichen Programm für unser gemeinsames Wochenende.

Verdi hat für uns die Kapazitäten erweitert – es sind also noch Plätze frei. Wenn Ihr noch weitere Wochenkinder kennt, die teilnehmen möchten, gebt die Einladung gern weiter.

Übernachtungsmöglichkeiten & weitere Infos hier

Rückfragen an: wannsee26(at)wochenkinder.de

Wir freuen uns sehr auf Euch und auf ein Wiedersehen am Wannsee.

Herzliche Grüße das Berliner Orga-Team vom wochenkinder.de

Montag, 20. Juli 2026

"Ausdrucksmalen" als neue Erfahrung und eine weitere Möglichkeit von Selbsthilfe

Wir hatten letzten Samstag zu einem Workshop eingeladen, die Methode des Ausdrucksmalens innerhalb einer zweistündigen Gruppensession selbst zu erleben. Weiterlesen hier

Ausdrucksmalen ist ein kreativer und kunsttherapeutischer Ansatz, bei dem der schöpferische Prozess im Mittelpunkt steht. Es geht nicht um künstlerisches Können oder das fertige Bild als „gelungenes“ Ergebnis, sondern darum, sich auf Farben, Formen und eigene Impulse einzulassen.

© Gabriele Max

Unter einfühlsamer Anleitung von Kunsttherapeutin Gabriele Max vom PTV Sachsen e.V.* orientierten wir uns am Point Zero Painting** der französisch-amerikanischen Künstlerin Michele Cassou. Weiterlesen hier. 


© Gabriele Max nach Michele Cassou

Zu Beginn wurden uns Cassous drei „Drachen“: Bedeutung, Ergebnis und Kontrolle
vorgestellt. Sie stehen für innere Muster, die uns häufig auch im Alltag davon abhalten, frei und spielerisch zu handeln, zu gestalten und uns lebendig zu fühlen: Üblicherweise haben wir gelernt, vor allem uns selbst zu bewerten, etwas Bestimmtes erreichen oder alles unter Kontrolle behalten zu wollen.

Verwandt ist dieser Gedanke mit dem „Malort“ des deutsch-französischen Pädagogen und Forschers Arno Stern (1924-2024), der aus seiner Arbeit mit Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Weiterlesen hier 

Beide Ansätze begründen einen geschützten achtsamen Raum, in dem Bewertung, Konkurrenz sowie Leistungsdruck zurücktreten und Kreativität ihren eigenen Weg finden darf. Es gibt keinen richtigen oder falschen "Ausdruck". Jede und jeder entdeckt auf individuelle Weise, was beim Malen entsteht.


Wie unterschiedlich diese Entdeckungsreise erlebt wurde, zeigte sich im gemeinsamen Tun und im anschließenden Austausch über das Entstehen der "Ausdrucksbilder". Manche TeilnehmerInnen erzählten, dass sie sich sofort auf den Prozess einlassen konnten, auch dank der behutsamen Hinführung durch die Workshopleiterin. Andere begegneten schnell eigenen Erwartungen, Ansprüchen oder Unsicherheiten und waren entweder davon überrascht oder durch andere Kunsttherapien bereits mit diesen Reaktionsmustern vertraut.

Gerade die Möglichkeiten des gemeinsamen Ausprobierens machte jedoch in dieser kurzen Zeit spür- & sichtbar, wie anregend, vielfältig und neuartig es sein kann, diesen Weg fortzuführen.

© Gabriele Max


Welche Möglichkeiten gibt es für uns, solche Erfahrungen über die Selbsthilfe hinaus weiterzuführen?

Kreative und kunsttherapeutische Methoden können unter bestimmten Voraussetzungen auch Bestandteil einer ergotherapeutischen Behandlung sein. Ausdrucksmalen selbst ist keine eigenständige Kassenleistung. 

Wenn eine Kunsttherapeutin zugleich Ergotherapeutin ist und in einer zugelassenen Ergotherapiepraxis arbeitet, können kreative und gestalterische Verfahren jedoch Teil einer ärztlich verordneten Ergotherapie sein, abhängig von der Diagnose, der ärztlichen Verordnung und dem therapeutischen Konzept. 

Seit 2024 gibt es zudem für bestimmte Diagnosegruppen die Möglichkeit einer sogenannten Blankoverordnung. Dabei kann die Ergotherapeutin innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst über Art, Umfang und Frequenz der Behandlung entscheiden.

Gerade aufgrund früher Trennungs- und Verlusterfahrungen oder aber auch rigider, ideologisierter Kunstpädagogik, wie sie in Kindereinrichtungen & Schulen der DDR häufig vermittelt wurde, kann ein solcher geschützter kreativer Raum eine besondere Bedeutung haben. 

Bei Traumafolgestörungen, Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen kann (wenn eine entsprechende Diagnose vorliegt) eine Ergotherapieverordnung möglich sein. Ob dies im individuellen Fall infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt; bei psychischen Erkrankungen gegebenenfalls auch eine Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut oder eine Neurologin bzw. ein Neurologe. 

Bei Interesse und Rückfragen empfehlen wir, sich ans Zentrum für Ergo- & Arbeitstherapie Dresden des PTVs zu wenden, weiterlesen hier 

Herzliche Einladung in unsere Kreativgruppe "WG 6"


Für uns TeilnehmerInnen bot dieser Nachmittag eine Kostprobe intuitiver Maltherapie und gleichsam die Gelegenheit, andere Weisen der Selbstfürsorge und Selbsthilfe kennenzulernen. 

Gerade für ehemalige Wochenkinder, die früh lernen mussten, sich anzupassen und Erwartungen zu erfüllen, kann eine regelmäßige kreative Praxis in verschiedener Hinsicht wohltuend und nachhaltig sein. Sie eröffnet die Möglichkeit, sichere Räume und gestalterische Situationen zu erkunden, in denen sinnliche Wahrnehmung, freies Experimentieren, Vertrauen und das künstlerische Potenzial sich „nachentfalten“ können.

Neben den genannten ergo- und kunsttherapeutischen Angeboten auf ärztliche Verordnung sowie Bezahlkursen, beispielsweise an der Volkshochschule, gibt es seit 2024 innerhalb unserer Dresdner Selbsthilfegruppe auch eine kostenfreie Alternative. Einmal im Monat treffen sich Wokis aus Dresden, Chemnitz & Leipzig, um gemeinsam kreativ zu werden und Erfahrungen auszutauschen. Neue Interessierte sind jederzeit willkommen, weiterlesen hier

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* Psychosozialer Trägerverein Sachsen e.V., weiterlesen hier 
** Das Buch von Michele Cassou in der deutschen Übersetzung: "Point Zero - entfesselte Kreativität" haben wir inzwischen für unsere Dresdner Woki-Bibliothek (Link) erworben.

Montag, 6. Juli 2026

Kreative Sommerpost aus der Schweiz vom 04.07.26

Unsere Kreativgruppe setzt sich nicht nur aus DresdnerInnen zusammen. Gelegentlich besuchen uns Gruppenmitglieder aus Chemnitz, Leipzig und sogar aus der Schweiz.

Inspiriert von unserem letzten Post (weiterlesen hier), schrieb uns Conny aus Zürich: 

"Ich habe die Idee aufgegriffen und mir auch etwas zu Eurem letzten Kreativtreffen ausgedacht. So hab ich das Gefühl auch bei Euch zu sein.(-:

Als erstes habe ich mein Pendelheft vorgeholt und meinen gestalteten Wutanteil für Euch fotografiert.


„Wut war nicht erlaubt“
© Cornelia Stadelmann, 2026

Hier eine Beschreibung meiner Wutfigur.

Es gibt zwei Seiten. 


Die eine Seite zeigt die natürliche Aggression. Das Holz steht für die Natürlichkeit, die Wut kann durchfliessen. An den Seiten gibt es Zacken (im sorbischen auch Wolfszähne genannt, kommt von der Ostereierbemalung). Diese symbolisieren den Schutz nach innen sowie nach aussen und dienen als Grenze. Der grosse Mund mit den Zähnen kann zubeissen und sich etwas nehmen. Die Figur steht auf einem mobilen Sockel und kann daher grösser oder kleiner werden.


Die andere Seite ist im Fundament eingefroren. Das Grau steht für Anpassung. Darunter liegt die Wut. Gestaute Energie. Im Kopf hat es ein Loch. Wenn die Wut hochsteigt, ist der Kopf leer und es können keine rationalen Gedanken gefasst werden. Am Kopf sieht man noch nach oben zeigende Pfeile. Es gibt auch die Assoziation zu einem Vulkan. Das Herz ist verschlossen.


Ein Eintrag aus meinem Pendelheft lautet:


Liebe Mutti!

Conny war in dieser Woche sehr ungezogen. Sie macht immer das Gegenteil von dem, was die Tanten wollen. Die Beschäftigung hat sie gut mitgemacht.

Ein schönes Wochenende

wünschen die Tanten.








© Cornelia Stadelmann, 2026


Und nun noch ein Beitrag zu den selbstgeschriebenen Postkarten.

Als ich vor 3 Jahren meinen Unfall hatte und (Fuss mehrfach gebrochen und ausgehängt) konnte ich ja lange nicht laufen. Ich habe in dieser Zeit eine Postkarten App entdeckt und mir immer wieder Postkarten gestaltet und selbst zu geschickt. 

Hier auch ein Foto davon. Auch die Briefmarken kann man mit der App selber gestalten.


© Cornelia Stadelmann, 2026


Ganz liebe Grüsse und bis bald wieder.

Conny"




 

Zusammenfassung des Zoom-Treffens zum Thema „Scham“ (24.09.2026)

Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen Unser Austausch wurde mit einer einfachen, jedoch nicht leicht zu beantwortenden Frage eröff...