Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen:
- Herzlich willkommen, Begrüßung bzw. Vorstellungsrunde
- Blitzlicht: Gebäck
- Einstieg: Neid und Eifersucht als Gefühle
- Hauptdiskussion
- Abschlussrunde und Ausblick auf das nächste Thema/Termin
In unseren letzten Treffen haben wir über das Thema Neid und Eifersucht gesprochen. Neid gab es zum Beispiel auf Geschwister oder Stiefgeschwister, auf deren Geburtstagsgeschenke, auf das Bevorzugen von Geschwistern durch die Eltern. Es gab den Neid auf die Verbindung zwischen den Eltern oder Neid auf Stiefväter, welche die Mutter blockiert haben. Es auch Neid auf den liebevollen Umgang von anderen Eltern mit ihren Kindern und den Neid auf ein wohliges Zuhause als Kind, wenn man bei Bekannten aufgenommen und wahrgenommen wurde. Dort war es "wie auf einem anderen Stern".
Es
gab den Neid auf Jugendliche, die ganz einfach Verbindungen knüpfen
konnten, auf Mitmenschen, die entspannt ihr Leben leben können.
Wochenkinder haben sich gern unsichtbar gemacht, wollten nicht auffallen
und haben sich Neidäußerungen selbst verboten. Gefühle und Bedürfnisse
wurden generell unterdrückt, Bedürfnisse zu erkunden ist schwer, da man
sich den Neid abgewöhnt hat.
Essstörungen traten auf, als
Ersatzbefriedigung für unbewusste Bedürfnisse. Die Frage: "Was soll ich denn wollen?", weil Bedürfnisse unbekannt sind, stellte sich Einigen. Manche
Wochen Kinder haben sich selbst für andere aufgeopfert, wollten sich
auflösen, helfen verschwinden Geschwister betreuen, um dazuzugehören, um
da sein zu bleiben zu dürfen. Manchmal war man sogar gezwungen, die eigenen Geschwister zu versorgen.
Man kann auch Neid auf das Glück der eigenen Kinder haben. Manche ehemalige Wochenkinder können das Gefühl Neid nicht einordnen, kennen es aber von ihren Geschwistern. Manchmal kommt der Neid sogar erst im Erwachsenenalter. Wichtig sei es dann auch, mit der Familie im Dialog zu bleiben.
Es gibt außerdem noch den Neid auf Kollegen und
Mitstudenten im eigenen Berufsfeld, die Selbstvertrauen und Urvertrauen
haben, die sich selbst nicht ausbremsen und keine Umwege gehen mussten. Beim Gespräch wurde die Unterscheidung getroffen zwischen gelbem Neid
(Missgunst) und weißem Neid (Gönnen).
Zur Sprache kam auch der Neid auf gute Beziehung zwischen alten Eltern und Erwachsenen Kindern, die selbstverständlich gegenseitige Hilfe, die heile intakte Familie. Der Neid löste auch Trauer aus, dass es diese Familie nicht gibt. Es fehlt ein Gefühl von Normalität, man kann nicht im Leben ankommen, man weiß nicht richtig, wohin man strebt. Es entsteht auch Sehnsucht statt Eifersucht und Neid. Ausserdem wurde besprochen, dass auch Diebstahl eine Neidreaktion sein kann. Neid von anderen auf ein Wochenkinderleben bleibt meistens unverstanden und wird nicht angenommen.
Als
ehemaliges Wochenkind kann man sich manchmal für seine
eigenen Bedürfnisse schlecht fühlen. Hier kam in der Diskussion das Stichwort "radikale Erlaubnis". Also
alles, was man fühlt, hat seine Daseinsberechtigung, darf sich zeigen,
damit wir verstehen, was mit uns los ist. Dann entsteht der Druck der
aufgestauten Gefühle nicht mehr oder der Druck löst sich auf. Man kann versuchen, seinen Hunger und seine Bedürfnisse detektivisch
aufzuspüren und den Scham für die Trauer über sich loszuwerden, also "schamloser" zu werden.
Eine Aufarbeitung kann durch die Arbeit mit dem inneren Kind geschehen, sich also zum Beispiel als Erwachsener dem neidischen inneren Kind zuwenden, ihm zuhören, es in den Arm nehmen und es trösten. Das innere Kind kann dabei verschiedene Alter haben. Als Erwachsener hat man es in der Hand, das selbst zu tun und dabei und damit Überreaktionen zu regulieren. Dadurch kann ein gesundes Selbstwertgefühl wieder aufgebaut werden. Als Mittel wurde auch die Kunsttherapie erwähnt, um auszudrücken, was das innere Kind nicht sagen kann, was also in der vorsprachlichen Zeit passiert ist.
Ein schlechtes Selbstwertgefühl,
das durch Anpassung und Erziehung zur Bedürfnislosigkeit geprägt ist,
kann zu tiefen emotionalen Problemen führen. Diese unbewältigten
Erfahrungen haben zahlreiche Folgen, die bis in die Gegenwart
nachwirken. Dazu gehören unaufgearbeiteter Neid und Eifersucht, die als
diffuse Schmerzen, Wut oder undefinierbare Trauer spürbar werden. Manche ehemalige Wochenkinder empfinden auch eine tiefe Scham, die zu Selbstisolation, Kontaktabbrüchen und
einem Mangel an Lebensfreude führt. Um
aus diesem Teufelskreis auszubrechen, sind verschiedene hilfreiche
Impulse nötig. Ein wichtiger Ansatz ist, wie schon erwähnt, das Nachnähren des inneren
Kindes. Das bedeutet, sich selbst zu trösten, zu sehen, zu würdigen und
zu ermutigen. Benennung und Akzeptanz von Gefühlen sind ebenfalls entscheidend.
Es
ist wichtig, unspezifischen Gefühlen wie Trauer oder Zorn einen Namen zu
geben und zu verstehen, dass sie oft Ausdruck ungestillter Bedürfnisse
sind. Perspektivwechsel in das Erleben anderer Menschen und Selbsterkenntnis können
helfen, die eigenen und Gefühle und die anderer Menschen besser zu verstehen. Dadurch kann mehr Freude ins Leben
gelassen werden. Der Austausch mit anderen über diese Themen ist oft eine neue und
bereichernde Erfahrung. Die Teilnehmenden berichteten, dass sie sich in einer Gruppe ehemaliger Wochenkinder sofort verstanden fühlen. Die Möglichkeit, offen über sich
selbst zu sprechen, ohne sich erklären zu müssen, schafft eine tiefe Verbundenheit mit den Geschichten anderer.
