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Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal, am 6. März.
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Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen
Ablauf
Neid und Eifersucht in Kindheit und Jugend
In unserem letzten Zoom-Treffen standen die Themen Neid und Eifersucht im Mittelpunkt des gemeinsamen Erfahrungsaustauschs. Viele Beiträge der Teilnehmenden bezogen sich auf Erfahrungen aus der gesamten Kindheit. So wurde Neid beispielsweise gegenüber Geschwistern oder Stiefgeschwistern benannt, etwa im Zusammenhang mit Geburtstagsgeschenken oder dem (vermeintlichen) Bevorzugtwerden durch die Eltern. Thematisiert wurde auch Neid auf die Liebesbeziehung zwischen den Eltern sowie auf den liebevollen Umgang anderer Eltern mit ihren Kindern. Einige berichteten von Neid auf Stiefväter, die den Kontakt zur Mutter blockierten, oder auf ein wohliges Zuhause, das man bei Bekannten erleben durfte. Dieses Gefühl wurde als „wie auf einem anderen Stern“ beschrieben.
Auch Erinnerungen aus der Pubertät kamen zur Sprache: Neid und Eifersucht gegenüber Jugendlichen, denen es scheinbar mühelos gelang, Beziehungen zu knüpfen, sowie gegenüber Menschen, die entspannt durchs Leben gehen können. Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass sie sich aus Angst vor Neidgefühlen anderer früh unsichtbar gemacht haben, nicht auffallen wollten oder sich eigene Neidgefühle selbst verboten. Gefühle und Bedürfnisse wurden häufig unterdrückt. Eigene Bedürfnisse wahrzunehmen oder zu benennen fällt bis heute schwer, auch dann, wenn man meint, sich den Neid regelrecht abgewöhnt zu haben.
Unterdrückte Bedürfnisse und ihre Folgen
In diesem Zusammenhang wurden Essstörungen als mögliche Ersatzbefriedigung für unbewusste Bedürfnisse angesprochen. Die Frage „Was soll ich denn wollen?“ tauchte auf, da eigene Wünsche oft unbekannt sind. Manche ehemalige Wochenkinder berichteten, dass sie sich für andere aufgeopfert, sich selbst zurückgenommen oder regelrecht „aufgelöst“ haben, indem sie Geschwister betreuten, halfen oder „verschwanden“, um dazuzugehören und bleiben zu dürfen. Teilweise waren sie sogar gezwungen, die vollständige Verantwortung für die Versorgung jüngerer Geschwister zu übernehmen.
Neid im Erwachsenenleben, in der Elternrolle und im beruflichen Kontext
Auch Neid auf das Glück der eigenen Kinder im eigenen Elternsein kam zur Sprache. Einige ehemalige Wochenkinder können das Gefühl Neid nur schwer einordnen oder kennen es vor allem aus der Beobachtung ihrer Geschwister oder aus anderen Begegnungen. Bei manchen trat Neid erst im Erwachsenenalter deutlich hervor. In diesem Zusammenhang wurde betont, wie wichtig es sein kann, das Gespräch darüber innerhalb der Familie zu suchen.
Ein weiteres Thema war der Neid auf Kolleginnen, Kollegen oder Mitstudierende im eigenen Berufsfeld, insbesondere auf Menschen mit scheinbar stabilem Selbstvertrauen und Urvertrauen, die sich selbst nicht ausbremsen und keine Umwege gehen mussten. In der Diskussion wurde zwischen „gelbem Neid“ (Missgunst) und „weißem Neid“ (gönnender bzw. inspirierender Neid) unterschieden.
Trauer, Sehnsucht und das Bild der „heilen Familie“
Zur Sprache kam auch der Neid auf gute Beziehungen zwischen alten Eltern und erwachsenen Kindern, auf selbstverständliche gegenseitige Unterstützung und auf das Bild einer heilen, intakten Familie. Dieser Neid ist oft eng mit Trauer über eine Familie verbunden, die man selbst nicht hatte. Viele beschrieben ein fehlendes Gefühl von Normalität, von Schwierigkeiten, im Leben anzukommen, sowie von Unklarheit darüber, wohin man eigentlich strebt. Aus Neid und Eifersucht kann so auch eine tiefe Sehnsucht entstehen. Zudem wurde reflektiert, dass Diebstahl im Kindesalter ebenfalls eine mögliche Ausdrucksform von Neid sein kann. Umgekehrt bleibt der Neid anderer auf eigene Erfolge im Leben ehemaliger Wochenkinder häufig unverstanden und wird nicht anerkannt.
Kreative Zugänge
In der Diskussion wurde deutlich, dass sich ehemalige Wochenkinder oft schlecht fühlen, wenn sie eigene Bedürfnisse wahrnehmen. Hier fiel das Stichwort „radikale Erlaubnis“: Alles, was man fühlt, hat seine Daseinsberechtigung und darf da sein. Erst wenn Gefühle zugelassen werden, kann verstanden werden, was in einem selbst vorgeht und der Druck aufgestauter Gefühle lässt nach oder löst sich auf. Angeregt wurde, den eigenen „Hunger“ und die eigenen Bedürfnisse detektivisch zu erforschen und die Scham für die eigene Trauer Schritt für Schritt loszulassen, also gewissermaßen „schamloser“ zu werden.
Als hilfreicher Weg wurde die Arbeit mit dem inneren Kind benannt. Dabei kann sich der erwachsene Anteil dem neidischen oder verletzten inneren Kind zuwenden, ihm zuhören, es trösten und es symbolisch in den Arm nehmen. Das innere Kind kann dabei unterschiedliche Altersstufen haben. Als Erwachsene haben wir die Möglichkeit, diese Zuwendung selbst zu geben und dadurch Überreaktionen besser zu regulieren. So kann nach und nach ein gesünderes Selbstwertgefühl aufgebaut werden. Ergänzend wurden positive Erfahrungen mit Kunsttherapie erwähnt, um das auszudrücken, was das innere Kind sprachlich nicht fassen kann, insbesondere Erfahrungen aus vorsprachlichen Zeiten.
Langzeitfolgen eines verletzten Selbstwertgefühls und Wege aus dem Kreislauf
Ein schlechtes Selbstwertgefühl, geprägt durch Anpassung und eine Erziehung zur Bedürfnislosigkeit, kann zu tiefgreifenden emotionalen Problemen führen. Unverarbeitete Erfahrungen wirken oft bis in die Gegenwart hinein. Dazu gehören unaufgearbeiteter Neid und Eifersucht, die sich als diffuse Schmerzen, Wut oder schwer benennbare Trauer zeigen können. Manche ehemalige Wochenkinder empfinden auch eine tiefe Scham, die zu Selbstisolation, Kontaktabbrüchen und einem Verlust an Lebensfreude führen kann.
Um aus diesem Kreislauf auszusteigen, wurden verschiedene hilfreiche Impulse zusammengetragen. Eine zentrale Möglichkeit ist - wie von mehreren Seiten betont - das Nachnähren des inneren Kindes: sich selbst trösten, sehen, würdigen und ermutigen. Ebenso wichtig sind die Benennung und Akzeptanz von Gefühlen. Unspezifische Empfindungen wie Trauer oder Zorn brauchen Worte, um verstanden zu werden; oft sind sie Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse. Perspektivwechsel und Selbsterkenntnis können helfen, die eigenen Gefühle und die der anderen besser einzuordnen und dadurch mehr Freude ins Leben zu lassen.
Am Ende stellte sich bei vielen Teilnehmenden ein Gefühl der Dankbarkeit ein, dass sie sich im geschützten Rahmen zu dieser ambivalenten Thematik so offen äußern konnten. Sich mit dem eigenen Neid auseinanderzusetzen, ist häufig tabuisiert, auch für einen selbst. Umso erstaunlicher war die Erfahrung, sich unter ehemaligen Wochenkindern sofort verstanden zu fühlen. Die Möglichkeit, ehrlich über sich zu sprechen, ohne sich erklären zu müssen, schuf eine tiefe Verbundenheit und ein starkes Gefühl von Resonanz mit den Geschichten der anderen.
(Rico & Cornelia)
Die Grundsätze unseres Miteinanders:
Weitere Informationen findet Ihr unter dem Stichwort "Digitale Selbsthilfe", hier weiterlesen
Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen:
Die ersten Erinnerungen an die frühe Kindheit und Wochenkrippenzeit sind oft die Erinnerungen von unseren Eltern oder Verwandten (in Ausnahmefällen sogar ehemalige Krippenschwestern oder Erzieherinnen), wenn sie denn Auskunft geben wollen. Dabei wurden als Beispiel das Bringen in die und das Abholen von der Wochenkrippe erwähnt. Eigene Erinnerungen gibt es bei vielen Teilnehmenden nicht.
Der Impfausweis gibt häufig einen Aufschluss, wo sich die Wochenkrippe befunden hat und wie lang der Aufenthalt darin andauerte. Die Gebäude der ehemaligen Wochenkrippen sind teilweise erhalten und man kann sie noch besuchen oder sich zumindest von außen anschauen. Leider stellen sich hier selten Erinnerungen ein. Einige der Teilnehmenden jedoch erinnerten sich an Räume, Gerüche oder Lichtverhältnisse.
Ich selbst (Rico) erinnere mich an den Schlafsaal und ans Zubettgehen am Abend im Wochenheim und in der Wochenkrippe, sowie an die langen Busfahrten hin und zurück und an die Haltestelle. Gelegentlich erinnert man sich auch an bestimmte Situationen oder Menschen. Selbst wenn es Erinnerungen gibt, können die Gefühle dazu möglicherweise nicht
gefühlt werden. Mehrere anwesende ehemalige Wochenkinder erlebten beispielsweise ein immer wiederkehrendes schmerzliches Gefühl der Trauer
und Wut.
Ein weiterer Zugang zur Erinnerung sind Träume oder Flashbacks, in denen man sich selbst sieht oder die Räume der Wochenkrippe vor dem inneren Auge auftauchen. Oft gibt es leider keine oder nur wenige Fotos von uns, während von
Geschwistern, die nicht in die Wochenkrippe gebracht wurden, mehr Fotos existieren und in den Familienalben aufbewahrt sind.
Als Hilfsmittel zur Erinnerung wurden psychoaktive Substanzen (unter psychiatrischer Begleitung!), Hypnose, Bilder malen, kreatives Schreiben, alte Dokumente und Gespräche genannt bzw. in therapeutischen Kontexten als auch in Selbsterfahrung angewendet.
Drei Fragen standen am Ende unseres Austauschs im Raum: Will man sich überhaupt erinnern oder hat man Angst davor? Öffnet das Reden über die Wochenkrippe mehr Wunden, als es schließt? Ist die Erinnerung an die Wochenkrippe eine unserer Lebensaufgaben?
(Rico)
Aus unserer Angebotsreihe Wochenkinder Sachsen:
Bindungsangst – Nähe oder Distanz fürchten
Die Bindungsangst wurde im Gespräch als ein schwer greifbares Phänomen beschrieben. Oft zeigt sie sich paradox: Mit zunehmender Nähe zu Freundinnen oder Partner/innen kann ein Impuls zum Rückzug entstehen. Nähe fühlt sich schnell „zu viel“ an, während zugleich die Angst vor noch mehr Nähe wachsen kann. Gefühle lassen sich eventuell schwer zulassen oder bleiben bei Zärtlichkeiten gedämpft. Von mehreren Teilnehmenden wurde ein starkes Sehnen nach Beziehung erwähnt und zugleich das Erleben, dass die Beziehung selbst überfordert.
Wenn Nähe den Selbstwert berührt
Freundschaften bleiben häufig an der Oberfläche oder zerbrechen. Selbstwertfragen drängen sich auf: Warum sind andere überhaupt an mir interessiert? Daraus entstehen manchmal reale oder vermeintliche Erwartungen an die eigene Rolle: Was erwarten die anderen von mir? Kann ich das erfüllen? Solche Unsicherheiten können sich aufschaukeln, bis sie kaum noch auszuhalten sind. Nach Begegnungen folgt mitunter ein schmerzhafter Einbruch: Die zwischenzeitliche Trennung wird stark erlebt.
Unsichtbare Grenzen
Beim Aufbau und der Entwicklung von Bindungen gibt es häufig unsichtbare Grenzen, an die man selbst oder der/die Partner/in stößt. Neue Menschen kennenzulernen fällt oft leicht, sie wirklich nahe an sich heranzulassen hingegen nicht. Vertiefen sich Beziehungen, tauchen dann Schwierigkeiten auf. Umgekehrt kann auch Ängstlichkeit entstehen, wenn andere nicht greifbar oder unzuverlässig wirken: Wenn Nachrichten ausbleiben oder das Gefühl von Bindungsverlust aufkommt.
Angst vor Trennung – Angst vorm Grenzen setzen
Ängste können bereits ausgelöst werden, wenn der/die Partner/in das Haus verlässt oder zurückkehrt. Als ein weiteres Spannungsfeld wurde die Trennungsangst beim Setzen von Grenzen beschrieben: Die Sorge, den anderen zu verlieren, wenn man eigene Bedürfnisse klar formuliert. Als mögliche biografische Auslöser wurden frühe und wiederholte Trennungen von Bezugspersonen genannt, etwa durch Wochenkrippen oder lange Abwesenheiten.
Kontrolle zurückgewinnen
Wirkt eine Beziehung unzuverlässig, wird sie manchmal beendet, um das Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen. Auch der Kontakt zu den Eltern kann belastet sein, wenn sie in prägenden Zeiten emotional oder körperlich nicht verfügbar waren. Das Beenden von Beziehungen (oder das Verlassenwerden) kann dann lähmende Ängste auslösen. Beziehungen werden vorsorglich so gestaltet, dass ein schneller Ausstieg möglich bleibt.
Dosierte Gefühle
Manche der Teilnehmenden blenden Beziehungen zeitweise aus, wenn kein Kontakt besteht. Gefühle werden „eingefroren“ oder auf Sparflamme gestellt und beim Wiedersehen wieder aktiviert. So entsteht eine dosierte Partnerschaft, die helfen soll, eine emotionale Überforderung, den „sozialen Kater“, zu vermeiden.
Zwei Bindungstypen
Häufig wird zwischen verschiedenen Bindungstypen unterschieden. In unserem Gespräch ging es um den vermeidenden Typ, der viel Freiraum benötigt, und dem anhänglichen Typ, der stark nach Nähe sucht. Ob diese Muster geschlechterspezifisch verteilt sind, war umstritten. Einig waren wir uns jedoch darin: Diese beiden Typen geraten in Partnerschaften sehr wahrscheinlich in eine belastende Dynamik.
Verstehen als erster Schritt
Eine vermeidende Bindung kann entstehen, wenn Eltern Liebe nur sporadisch geben konnten oder wollten. Entscheidend ist, die eigene Bindungsdynamik zu erkennen: Welcher Typ bin ich? Welche Schutzstrategien habe ich früh entwickelt? Ebenso wichtig ist das Verständnis für das Verhalten des Gegenübers. Dieses Verstehen ist kein Etikettieren, sondern kann ein erster Schritt sein, um Beziehungen bewusster, freier und freundlicher zu gestalten.
(Rico)
Überregionaler Workshop für ehemalige Wochenkinder
28. Februar – 1. März 2026 | Gotha
„Wurzeln im Winter“ ist eine Einladung, den eigenen Spuren zu folgen, dorthin, wo Kälte und Nähe, Verlust und Lebendigkeit sich begegnen. Mit Spiel und Bewegung suchen wir nach dem, was trägt, wenn alte Geschichten wieder in Fluss kommen.
Wer früh gelernt hat, ohne Nähe auszukommen, trägt oft Spuren, die sich erst spät in Beziehungen, im Körper, im Gefühl von Zugehörigkeit zeigen. Wir erforschen unseren Körper, unsere Stimme und mit Spiel, was die frühen Erfahrungen in uns bewegt haben und was sich heute verwandeln lässt.
Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich - es ist alles in dir. Es darf gelacht, gezweifelt und gestaunt werden. Denn selbst im Frost gibt es Orte, an denen Wärme wächst.
Leitung
Lykke Langer
Autorin, Regisseurin und Coach, hier weiterlesen
Organisatorisches
28.02. - 01.03.2026 in Gotha
Eigenbeitrag ca. 50 € (nach solidarischem Prinzip)
Anmeldung & Kontakt: gotha@wochenkinder.de
SA, 17.01.26, 20.00 Uhr im Projekttheater Dresden
FR, 13.02.26, 20.00 Uhr in Neues Schauspiel Leipzig
FR, 06.03.26, 20.00 Uhr in Neues Schauspiel Leipzig
SA, 25.04.26, Festival Off Europa in Chemnitz
„Das ist packendes Dokumentartheater!“ (Fürther Nachrichten)
WINTERKIND - eine Theaterreise durch scheinbar vergangene Zeiten - mit Hang zum Punk und dem Versuch, das Schweigen zwischen den Generationen zu brechen.
Im Juni 1973 startet Lykke Langer ihre Laufbahn im staatlichen Betreuungssystem der DDR. Ihre Kindheit ist geprägt von Aufenthalten in Wochen-Krippen und Kinderheim, Leistungssport, Ausreise-Anträgen und familiären Verstrickungen mit der Staatssicherheit.
... allesamt spürten wir heute, wie viele Themen gleichzeitig im Raum waren und staunten, wie vielgestaltig sie sich auf unseren entstand...