Die Lust am lyrischen Austausch steckt offensichtlich an und erst recht die an der Naturbeobachtung. Gestern sandte uns Steffi dieses Gedicht zu, in dem sie ihr Überwältigtsein von der venezolanischen Landschaft - in Verse übersetzt - mit uns teilt. Vielen Dank dafür!
Canaima-Wasserfall
Fröhlich fließt über Felsgestein das Wasser kühl und klar
Kreiselt verträumt um Kiesel so fein, hüpft über Holz so rar.
Schwingt hier und da das Gras galant
Unbeirrt plätschert es bis an des Abgrunds jähem Rand.
Keine Sekunde zum Zögern ihm bleibt
Senkrecht stürzt es so schnell und tief.
Das Band in einzelne Tropfen zerreißt
Im freien Fall es sich wagemutig verliert.
Hunderte Meter tiefer vereinen sich
Erschöpft vom langen Flug die Tropfen.
Im schattigen Felsbassin dicht an dicht
Spiegeln in sich Farne, Flechten und Hopfen.
Doch kurz und trügerisch ist die Besinnung
Die Nachkommen zerstören den glücklichen Bund.
Drängen unaufhaltsam ihresgleichen aus dem felsigen Schlund
Und streben doch auch nur nach heilsamer Vereinigung.
Die Reise geht weiter, kein Ende in Sicht.
Ein Tropfen dem anderen Mut zuspricht.
Der freie Fall ihm gar nicht schlecht gefällt
Jetzt nimmt er sich wahr als Teil dieser Welt.
Das Alleinsein erscheint ihm nun völlig normal.
Fast gänzlich vergessen der Trennung Qual.
Erst als er am Grund auf die Seinen trifft
Erkennt er die Sehnsucht, er hat sie schmerzlich vermisst.
Sie nehmen ihn auf, der Teil fügt sich ins Ganze.
Das Abenteuer war groß und die Erfahrung tief.
Es fließt das Wasser wieder im harmonischen Gewande.
Welch eindrucksvolles und ergreifendes Naturschauspiel.
©Steffi Polze
erstmals bei regenwald.org veröffentlicht































