Freiwillige aus unserer SHG waren ehrenamtlich in der Ausstellungsjury vertreten und halfen bei der Durchführung der Begleitveranstaltungen mit. Mit Genehmigung der in der Ausstellung mitwirkenden Künstler/innen freuen wir uns, in unserem BLOG einige Impressionen und ausgewählte Reflexionen ehemaliger Wochenkinder veröffentlichen zu dürfen.
Für das Plakat der Ausstellung wurde ein Foto aus der ehemaligen Wochenkrippe "Schneewittchen" im Kinderdorf Halle-Neustadt verwendet, (siehe dazu auch die Fotoimpressionen hier im BLOG von Nicole Kunad sowie der Artikel "Schneewittchen und die 1000 Kinder" aus der DDR-Zeitschrift "Für Dich" von 1977). Das Foto selbst stammt von Juliane Vowinckel.
Aus dem „Gästebuch“ der Ausstellung:
„23.11.24
Ein unerwartet tiefgründiger und schwermütiger Einblick, fast schon eine einnehmende Zeitreise in ein vergangenes "Subsystem", welches heutzutage zurecht zwiegespalten und kritisch betrachtet wird.
Vielen Dank für diese Möglichkeit!“
„28.11.24
Wie ein paar Ausstellungsstücke so viel bewirken können. Eine sehr gelungene Ausstellung. Danke, dass es sichtbar gemacht wird.“
„30.11.24
Die Ausstellung in Rostock habe ich leider verpasst. Dann hat mir meine liebe Freundin aus Abi-Zeiten, hier lebend, die Infos zur Ausstellung nach H. geschickt. Obwohl gerade in einer schwierigen Lebensphase (meine Mutter ist schwer krank und „kommt" in den nächsten Tagen „ins Heim“) !!! was wohl meine inneren Prozesse - noch nicht die dazugehörigen Gefühle - aktiviert …. es hat ihn ja damals auch gegeben, diesen TAG, an dem ICH „ins Heim“ (in die Wochenkrippe …) „gekommen“ bin.
Wer entschied das? Mit welchen Gefühlen? - Jetzt aktuell entscheidet mein Vater. Jahrelang war ich der Meinung, dass ich diese Verantwortung meiner Mutter zuordne.
Jetzt stellen sich „NEUE“ Fragen, Denkrichtungen …
So viele „blinde Flecken“, genauso wie die Collage mit den Auszügen aus dem Impfausweis hier: innerhalb meiner (durch meine Therapeutin angeleierten) Recherche habe ich früher wohl mal dort nach Adressen geschaut, um konkrete Orte (2 Wochenkrippen, 1 Wochenkindergarten bis ich 5 Jahre alt war) herauszufinden …ABER: Sie sind aus meinem Gedächtnis verschwunden; wenn ich den Impfausweis lese, sehe ich die Orte (Stempel) NICHT!!!
Das werde ich sofort, wenn ich zu Hause bin, tun, reinschauen + lesen!
Die „WERKE“ hier in dieser kleinen Ausstellung knüpfen bei mir an so VIELEN Ebenen an, ich finde mich in ihnen wieder, wie ich mich sonst FAST NIE in jemanden oder in etwas wiederfinden …. und anknüpfen kann!
Ich bin sehr bewegt + sehr dankbar für diese Werke/Ausstellung und habe mehr gefunden, als ich erhoffte. DANKE ...“
„05.12.24
Danke für diese vielsagende Ausstellung und dass ich an dem Forschungsprojekt im letzten Jahr teilnehmen konnte. Es ist alles Aufarbeitung …
Auch ich wurde mit 8 Wochen in eine Wochenkrippe gegeben und nach 3 Jahren ging es dann in den Kindergarten (von früh bis abends) und danach in den Hort. Mindestens 10 Jahre fremdbetreut.
Aber es wurde mir immer als völlig normal hingestellt. Es ging halt nicht anders… Mutti im Handel tätig, Vati im Schichtdienst. Das war eben so am Wochenende. Endlich zu Hause, wurde ein Spaziergang an der Wochenkrippe vorbei gemacht. Da wollte ich mit viel Theater in dieses Haus. Alle fragten sich, was das soll und machten mir noch Jahre später Vorwürfe deswegen. Findet den Fehler! Vielleicht war das mehr mein Zuhause geworden?
Als Jugendliche fragte ich mich immer wieder, was mit mir nicht stimmt. Ich kaute an den Fingernägeln, „spielte“ mit den Jungs und hatte so viel Wut im Bauch.
Als ich meine „Muttihefte“ las, musste ich weinen. Warum nur?
Ich habe selbst vier Kinder und hätte es nie übers Herz gebracht, sie abzugeben. Ich blieb zu Hause. Über 20 Jahre.
Mit meiner Mutti konnte ich nie richtig darüber reden. Da wurde sie ungehalten und machte mir Vorwürfe.
Danke, dass Ihr das hier tut. Ich habe in meinem Leben Gott gefunden, und dadurch konnte ich vieles loswerden und aufarbeiten, doch alles nicht. Mir fehlt die Vergebung …“
Dieser exzellent verfasste Artikel zur Ausstellung wurde uns nachträglich vom Autor Fabian Schwitter zur Verfügung gestellt: "Kinderbetreuung als Staatsräson. Wochenkrippen in der DDR". Vielen Dank dafür!