Montag, 20. Juli 2026

"Ausdrucksmalen" als neue Erfahrung und eine weitere Möglichkeit von Selbsthilfe

Wir hatten letzten Samstag zu einem Workshop eingeladen, die Methode des Ausdrucksmalens innerhalb einer zweistündigen Gruppensession selbst zu erleben. Weiterlesen hier

Ausdrucksmalen ist ein kreativer und kunsttherapeutischer Ansatz, bei dem der schöpferische Prozess im Mittelpunkt steht. Es geht nicht um künstlerisches Können oder das fertige Bild als „gelungenes“ Ergebnis, sondern darum, sich auf Farben, Formen und eigene Impulse einzulassen.

© Gabriele Max

Unter einfühlsamer Anleitung von Kunsttherapeutin Gabriele Max vom PTV Sachsen e.V.* orientierten wir uns am Point Zero Painting** der französisch-amerikanischen Künstlerin Michele Cassou. Weiterlesen hier


© Gabriele Max nach Michele Cassou

Zu Beginn wurden uns Cassous drei „Drachen“: BedeutungErgebnis und Kontrolle
vorgestellt. Sie stehen für innere Muster, die uns häufig auch im Alltag davon abhalten, frei und spielerisch zu handeln, zu gestalten und uns lebendig zu fühlen: Üblicherweise haben wir gelernt, vor allem uns selbst zu bewerten, etwas Bestimmtes erreichen oder alles unter Kontrolle behalten zu wollen.

Verwandt ist dieser Gedanke mit dem „Malort“ des deutsch-französischen Pädagogen und Forschers Arno Stern (1924-2024), der aus seiner Arbeit mit Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Weiterlesen hier 

Beide Ansätze begründen einen geschützten achtsamen Raum, in dem Bewertung, Konkurrenz sowie Leistungsdruck zurücktreten und Kreativität ihren eigenen Weg finden darf. Es gibt keinen richtigen oder falschen "Ausdruck". Jede und jeder entdeckt auf individuelle Weise, was beim Malen entsteht.


Wie unterschiedlich diese Entdeckungsreise erlebt wurde, zeigte sich im gemeinsamen Tun und im anschließenden Austausch über das Entstehen der "Ausdrucksbilder". Manche TeilnehmerInnen erzählten, dass sie sich sofort auf den Prozess einlassen konnten, auch dank der behutsamen Hinführung durch die Workshopleiterin. Andere begegneten schnell eigenen Erwartungen, Ansprüchen oder Unsicherheiten und waren entweder davon überrascht oder durch andere Kunsttherapien bereits mit diesen Reaktionsmustern vertraut.

Gerade die Möglichkeiten des gemeinsamen Ausprobierens machte jedoch in dieser kurzen Zeit spür- & sichtbar, wie anregend, vielfältig und neuartig es sein kann, diesen Weg fortzuführen.

© Gabriele Max


Welche Möglichkeiten gibt es für uns, solche Erfahrungen über die Selbsthilfe hinaus weiterzuführen?

Kreative und kunsttherapeutische Methoden können unter bestimmten Voraussetzungen auch Bestandteil einer ergotherapeutischen Behandlung sein. Ausdrucksmalen selbst ist keine eigenständige Kassenleistung. 

Wenn eine Kunsttherapeutin zugleich Ergotherapeutin ist und in einer zugelassenen Ergotherapiepraxis arbeitet, können kreative und gestalterische Verfahren jedoch Teil einer ärztlich verordneten Ergotherapie sein, abhängig von der Diagnose, der ärztlichen Verordnung und dem therapeutischen Konzept. 

Seit 2024 gibt es zudem für bestimmte Diagnosegruppen die Möglichkeit einer sogenannten Blankoverordnung. Dabei kann die Ergotherapeutin innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst über Art, Umfang und Frequenz der Behandlung entscheiden.

Gerade aufgrund früher Trennungs- und Verlusterfahrungen oder aber auch rigider, ideologisierter Kunstpädagogik, wie sie in Kindereinrichtungen & Schulen der DDR häufig vermittelt wurde, kann ein solcher geschützter kreativer Raum eine besondere Bedeutung haben. 

Bei Traumafolgestörungen, Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen kann (wenn eine entsprechende Diagnose vorliegt) eine Ergotherapieverordnung möglich sein. Ob dies im individuellen Fall infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt; bei psychischen Erkrankungen gegebenenfalls auch eine Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut oder eine Neurologin bzw. ein Neurologe. 

Bei Interesse und Rückfragen empfehlen wir, sich ans Zentrum für Ergo- & Arbeitstherapie Dresden des PTVs zu wenden, weiterlesen hier 

Herzliche Einladung in unsere Kreativgruppe "WG 6"


Für uns TeilnehmerInnen bot dieser Nachmittag eine Kostprobe intuitiver Maltherapie und gleichsam die Gelegenheit, andere Weisen der Selbstfürsorge und Selbsthilfe kennenzulernen. 

Gerade für ehemalige Wochenkinder, die früh lernen mussten, sich anzupassen und Erwartungen zu erfüllen, kann eine regelmäßige kreative Praxis in verschiedener Hinsicht wohltuend und nachhaltig sein. Sie eröffnet die Möglichkeit, sichere Räume und gestalterische Situationen zu erkunden, in denen sinnliche Wahrnehmung, freies Experimentieren, Vertrauen und das künstlerische Potenzial sich „nachentfalten“ können.

Neben den genannten ergo- und kunsttherapeutischen Angeboten auf ärztliche Verordnung sowie Bezahlkursen, beispielsweise an der Volkshochschule, gibt es seit 2024 innerhalb unserer Dresdner Selbsthilfegruppe auch eine kostenfreie Alternative. Einmal im Monat treffen sich Wokis aus Dresden, Chemnitz & Leipzig, um gemeinsam kreativ zu werden und Erfahrungen auszutauschen. Neue Interessierte sind jederzeit willkommen, weiterlesen hier

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* Psychosozialer Trägerverein Sachsen e.V., weiterlesen hier 
** Das Buch von Michele Cassou in der deutschen Übersetzung: "Point Zero - entfesselte Kreativität" haben wir inzwischen für unsere Dresdner Woki-Bibliothek (Link) erworben.

"Ausdrucksmalen" als neue Erfahrung und eine weitere Möglichkeit von Selbsthilfe

Wir hatten letzten Samstag zu einem Workshop eingeladen, die Methode des Ausdrucksmalens innerhalb einer zweistündigen Gruppensession selbs...