Samstag, 7. März 2026

"Canaima-Wasserfall" von Steffi

© Steffi Polze

Die Lust am lyrischen Austausch steckt offensichtlich an und erst recht die an der Naturbeobachtung. Gestern sandte uns Steffi dieses Gedicht zu, in dem sie ihr Überwältigtsein von der venezolanischen Landschaft - in Verse übersetzt - mit uns teilt. Vielen Dank dafür! 

Canaima-Wasserfall


Fröhlich fließt über Felsgestein das Wasser kühl und klar

Kreiselt verträumt um Kiesel so fein, hüpft über Holz so rar.

Schwingt hier und da das Gras galant

Unbeirrt plätschert es bis an des Abgrunds jähem Rand.


Keine Sekunde zum Zögern ihm bleibt

Senkrecht stürzt es so schnell und tief.

Das Band in einzelne Tropfen zerreißt

Im freien Fall es sich wagemutig verliert.


Hunderte Meter tiefer vereinen sich

Erschöpft vom langen Flug die Tropfen.

Im schattigen Felsbassin dicht an dicht

Spiegeln in sich Farne, Flechten und Hopfen.


Doch kurz und trügerisch ist die Besinnung

Die Nachkommen zerstören den glücklichen Bund.

Drängen unaufhaltsam ihresgleichen aus dem felsigen Schlund

Und streben doch auch nur nach heilsamer Vereinigung.


Die Reise geht weiter, kein Ende in Sicht.

Ein Tropfen dem anderen Mut zuspricht.

Der freie Fall ihm gar nicht schlecht gefällt

Jetzt nimmt er sich wahr als Teil dieser Welt.


Das Alleinsein erscheint ihm nun völlig normal.

Fast gänzlich vergessen der Trennung Qual.

Erst als er am Grund auf die Seinen trifft

Erkennt er die Sehnsucht, er hat sie schmerzlich vermisst.


Sie nehmen ihn auf, der Teil fügt sich ins Ganze.

Das Abenteuer war groß und die Erfahrung tief.

Es fließt das Wasser wieder im harmonischen Gewande.

Welch eindrucksvolles und ergreifendes Naturschauspiel.


©Steffi Polze

erstmals bei regenwald.org veröffentlicht